PMDS

PMDS: Prämenstruelle Dysphorische Störung

Eine besonders gravierende Form von PMS ist die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS). Die Frauen leiden hierbei während der zweiten Zyklushälfte so stark an den seelischen Beschwerden, dass sie in dieser Zeit ihren gewöhnlichen Alltagsbeschäftigungen nicht mehr nachgehen können, ihre beruflichen und schulischen Leistungen stark absinken und sowohl die Partnerschaft als auch das Familienleben stark darunter leiden. Insgesamt ist die Lebensqualität extrem herabgesetzt.

Schätzungen gehen davon aus, dass immerhin fünf Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter an einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung leiden. Bis zu ein Drittel dieser Betroffenen berichten, dass einige der Symptome erst zwei bis drei Tage nach dem Beginn der Menstruationsblutung abklingen 1.

Wann liegt eine Prämenstruelle Dysphorische (PMDS) Störung vor?

Das Diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer Störungen (DSM), das zur Klassifizierung von seelischen Erkrankungen dient, nennt bestimmte Kriterien zur Diagnose einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung. Auch wenn dieses Werk den behandelnden Ärzten bei der Diagnose und Therapie helfen soll, gibt es Ihnen möglicherweise auch selber einen guten Eindruck darüber, ob Sie möglicherweise an PMDS leiden. Eine abschließende Diagnose dieser speziellen, schweren Form des prämenstruellen Syndroms (PMS) können lediglich Psychotherapeuten stellen (nach Hogrefe Verlag; 1996). Die folgenden vier Punkte werden dazu betrachtet:

A.
Während mindestens neun der vergangenen zwölf Zyklen bestanden wenigstens fünf der folgenden Symptome (und mindestens eines der Beschwerden eins bis vier)über die meiste Zeit der letzten Woche vor der Menstruation, während sie in der ersten Zyklushälfte nicht vorhanden waren:

1. Depressive Verstimmungen, Selbstzweifel, Hoffnungslosigkeit
2. Angst, innere Anspannung, Gereiztheit
3. Plötzliches, grundloses Weinen, extreme Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisungen
4. Andauernde Wut, aggressives Verhalten
5. Kaum Interesse für übliche Aktivitäten (Freizeit, Beruf, Schule, Familie, Freunde)
6. Subjektives Gefühl der Konzentrationsschwäche
7. Lethargie, Energieverlust
8. Starke Veränderung des Appetits (unter anderem Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln)
9. Änderung des Schlafverhaltens (Schlafstörungen, deutlich gesteigertes Schlafbedürfnis)
10. Subjektive Empfindung, außer Kontrolle zu geraten, Überwältigungsgefühl
11. Körperliche Symptome wie Brustspannen, Kopfschmerzen, Ödeme, Gewichtszunahme

B. Die Symptome führen zu einem deutlichen beruflichen oder schulischen Leistungsabfall, soziale Aktivitäten werden vermieden oder ähnliches

C. Die Symptome sind nicht nur eine Verstärkung einer anderen bestehenden psychischen Erkrankung, etwa einer Major Depression, einer Angst- oder einer Persönlichkeitsstörung.

D. Anhand einer täglichen Einschätzung mithilfe eines PMS-Kalenders über mindestens zwei Menstruationszyklen müssen die Punkte A, B und C überprüft werden.

Ursache von PMDS

Vermutlich führt ein gestörter Serotoninstoffwechsel zu PMDS. Der Botenstoff Serotonin, der auch bei Depressionen und Essstörungen eine entscheidende Rolle spielt, scheint sehr stark an den psychischen Beschwerden von PMDS-Erkrankten beteiligt zu sein. Diese These wird durch unterschiedliche wissenschaftliche Untersuchungen gestützt 2. Außerdem zeigen bestimmte Antidepressiva, die die Serotoninkonzentration in der Hirnflüssigkeit erhöhen, bei vielen Betroffenen eine sehr gute Wirkung. Diese Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) gelten daher gerade bei schwerwiegenden Fällen von PMDS oft als die Mittel der Wahl.

Zwar ist erwiesen, dass die Geschlechtshormone über verschiedene Wege die Bildung, Ausschüttung und Funktion von Serotonin beeinflussen, doch sind die genauen Zusammenhänge mit der Prämenstruellen Dysphorischen Störung weiterhin unklar 3. Einige Wissenschaftler nehmen an, dass bei den Betroffenen der Östrogenspielgel während der zweiten Zyklushälfte zu gering im Verhältnis zum Progesteron ausfällt und dieses Ungleichgewicht den Serotoninstoffwechsel durcheinander bringt. Allerdings kann eine verminderte Östrogenkonzentration nicht in allen Fällen bei den Betroffenen nachgewiesen werden.

Denkbar ist auch, dass die Östrogenrezeptoren, also die Bindungsstellen, an die das Hormon andockt, um die Aufgaben der Zielzellen zu beeinflussen, bei den Betroffenen defekt sind 4. Ist dies der Fall, so ist also nicht ein hormonelles Ungleichgewicht, sondern eine Störung innerhalb des Signalwegs der Auslöser für die schwerwiegenden seelischen Beschwerden.

Bei PMDS psychologische Hilfe in Anspruch nehmen

PMDS behandeln

PMDS behandeln

Wenn Sie vermuten, an der Prämenstruellen Dysphorischen Störung zu leiden, so sollten Sie umgehend mit Ihrem Gynäkologen darüber sprechen und sich gleichzeitig an einen guten Psychotherapeuten wenden. Denn PMDS ist extrem belastend für Sie, aber ebenso für Ihre Familie. Oft kann bereits Bewegung und regelmäßiger Sport für etwas Linderung sorgen, da hierbei körpereigene Glückshormone ausgeschüttet werden. Eine ausgewogene Ernährung ist ebenfalls ratsam.

Mediziner stellen immer wieder fest, dass gehäuft berufstätige Mütter aufgrund ihrer Doppelbelastung an der Prämenstruellen Dysphorischen Störung leiden. Hier können Entspannungsübungen und ein gezieltes Stress-Management Abhilfe schaffen.

In schwerwiegenden Fällen von PMDS können Psychopharmaka, vor allem die oben bereits angesprochenen Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die Symptome minimieren. Eine Studie zeigt, dass die Aufnahme hoher Dosen Tryptophan, einer Aminosäure, die zur Herstellung von Serotonin benötigt wird, ebenfalls recht wirksam sein kann 5. Zusätzlich ist eine Gesprächstherapie bei einem gut ausgebildeten Psychologen immer sinnvoll.

Quellen und Studien u.a.:

  1. www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15780701
  2. www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11041380
  3. www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9807639
  4. www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17599809
  5. www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10721042
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One Response to PMDS: Prämenstruelle Dysphorische Störung

  1. Claudia Barth 15. Juli 2016 at 14:27 #

    Liebe Betroffene, unter folgendem Link finden Sie eine interessante Studie zur Prämenstrueller Dysphorie. Es werden noch Teilnehmerinnen gesucht: http://dsble.de/700529

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