Einleitung

Das prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD) betrifft 3–8 % aller Frauen im reproduktiven Alter und geht weit über klassische PMS-Symptome hinaus. Extreme Stimmungsschwankungen, Depressionen, Reizbarkeit und Angstzustände können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Bisher galten selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) und hormonelle Kontrazeptiva als erste Behandlungslinie – doch bis zu 50 % der Patientinnen brechen die SSRI-Therapie innerhalb von sechs Monaten ab.

Eine vielversprechende Alternative könnte die Emotionsfokussierte Therapie (EFT) sein. Eine im Juli 2024 in BMC Psychiatry veröffentlichte Studie zeigt erstmals evidenzbasiert, dass diese psychotherapeutische Methode PMDD-Symptome signifikant lindern kann.

Die Studie: Design und Methodik

Izadi Dehnavi et al. (2024) führten an der Iran University of Medical Sciences eine randomisiert-kontrollierte Studie durch, die 48 Frauen im Alter von 18–44 Jahren mit diagnostizierter PMDD umfasste. Die Teilnehmerinnen wurden randomisiert in eine Interventionsgruppe (16 Wochen EFT) oder eine Wartelisten-Kontrollgruppe eingeteilt.

Das Behandlungsprotokoll basierte auf dem von Les Greenberg entwickelten EFT-Ansatz und umfasste 16 individuelle Sitzungen:

  • Phase 1 (Sitzungen 1–3): Aufbau einer sicheren therapeutischen Beziehung und emotionale Sensibilisierung
  • Phase 2 (Sitzungen 4–12): Evozierung und Erkundung maladaptiver Emotionen durch Techniken wie den Zweistuhl-Dialog
  • Phase 3 (Sitzungen 13–16): Transformation der Kernemotionsmuster in adaptive Reaktionen

Die primären Endpunkte waren die Veränderungen im Premenstrual Syndrome Screening Tool (PSST), der Difficulties in Emotion Regulation Scale (DERS) und der Depression Anxiety Stress Scale-21 (DASS-21). Gemessen wurde jeweils in der prämenstruellen Phase vor der Behandlung, direkt nach Behandlungsende und drei Monate danach (Follow-up).

Ergebnisse: Signifikante Verbesserungen

Die Ergebnisse waren beeindruckend: In der EFT-Gruppe zeigten sich signifikante Verbesserungen gegenüber der Kontrollgruppe:

  • PMDD-Gesamtsymptomatik (PSST): Deutliche Reduktion, stabil über den 3-Monats-Follow-up
  • Emotionsregulations-Schwierigkeiten (DERS): Signifikanter Rückgang (p < 0,05)
  • Depression (DASS-21): Signifikante Besserung (p < 0,05)
  • Stress (DASS-21): Signifikante Reduktion (p < 0,05)

Bemerkenswert: Angstsymptome zeigten in der Interventionsgruppe keine signifikante Veränderung – ein Befund, den die Forscher mit der zeitlichen Überlappung der Studie mit den sozialen Unruhen im Iran (September 2022) erklären, die die allgemeine Angstbelastung der Bevölkerung erhöhten.

Wissenschaftliche Einordnung und Interpretation

Die Studie ist aus mehreren Gründen bedeutsam: Erstmals wurde EFT spezifisch für PMDD individualisiert angewendet. Die emotionale Dysregulation gilt als zentrales Merkmal der PMDD – Frauen mit dieser Störung zeigen deutlich stärkere emotionale Probleme als gesunde Kontrollpersonen. EFT zielt direkt auf diese Kernproblematik ab, indem Patientinnen lernen, ihre Emotionen zu identifizieren, zu erleben, zu erkunden und schließlich zu transformieren.

Die parallelen Verbesserungen in PMDD-Symptomatik, Emotionsregulation, Depression und Stress unterstreichen den mechanistischen Zusammenhang: Durch die Stärkung der emotionalen Intelligenz und der Fähigkeit zur Emotionsregulation werden die kaskadenartigen Auswirkungen von PMDD auf das psychische Wohlbefinden gemildert.

Einschränkungen

Die Studie weist methodische Limitationen auf:

  • Einfachblind-Design: Weder Patientinnen noch Therapeuten waren verblindet
  • Wartelisten-Kontrolle: Die passive Kontrollgruppe erhielt während der Studienphase keine Behandlung, was psychologische Effekte hervorrufen kann
  • Sample Size: Mit 48 Teilnehmerinnen (44 Completer) ist die Stichprobe relativ klein
  • Kulturelle Limitation: Durchführung ausschließlich im Iran; Generalisierbarkeit auf westliche Populationen erfordert weitere Studien
  • Keine Langzeit-Follow-up: Die Nachbeobachtung beschränkte sich auf drei Monate

Fazit

Die Emotionsfokussierte Therapie eröffnet eine vielversprechende neue Behandlungsperspektive für Frauen mit PMDD. Als nicht-pharmakologische Intervention adressiert sie direkt die emotionale Kernproblematik der Störung und zeigt signifikante Effekte auf Symptomatik, Depressivität und Stress. Für Patientinnen, die SSRIs nicht vertragen oder eine medikamentenfreie Alternative suchen, könnte EFT eine wertvolle Option darstellen.

Weitere randomisierte Studien mit aktiven Kontrollgruppen, größeren Stichproben und längeren Follow-up-Phasen sind erforderlich, um die Evidenzbasis zu festigen und EFT in die klinische Routine zu integrieren.


Quelle:
Izadi Dehnavi S, Mortazavi SS, Ramezani MA, Gharraee B, Ashouri A. Emotion-focused therapy for women with premenstrual dysphoric disorder: a randomized clinical controlled trial. BMC Psychiatry. 2024;24:501. Veröffentlicht am 11. Juli 2024.
DOI: 10.1186/s12888-024-05681-8
PubMed: PMID: 38942908

Bild: SHVETS production / Pexels (lizenzfrei)


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