Einleitung: Vom „Freaks and Geeks“-Star zur PMDD-Aktivistin
Busy Philipps – mit bürgerlichem Namen Elizabeth Jean Philipps – ist eine der wandlungsfähigsten Schauspielerinnen Hollywoods. Bekannt wurde sie durch Kultserien wie Freaks and Geeks, Dawson’s Creek und Cougar Town, für die sie den Critics‘ Choice Television Award als beste Nebendarstellerin gewann. Seit 2021 begeistert sie in der gefeierten Comedy-Serie Girls5eva. Doch hinter dem sonnigen Lächeln und dem Spitznamen „Busy“ (den ihr eine Babysitterin gab, weil sie als Kind nie stillsitzt) verbirgt sich ein jahrzehntelanger Kampf – gegen die prämenstruelle Dysphorie, besser bekannt als PMDD.
„Ich dachte, ich werde verrückt“ – Die PMDD-Diagnose mit 20
In ihrem 2018 erschienenen Bestseller-Memoir This Will Only Hurt a Little schildert Philipps, wie sie bereits mit Anfang 20 realisierte, dass mit ihrem Zyklus etwas nicht stimmte. „Etwa eine Woche vor meiner Periode fühlte ich mich wie ein völlig anderer Mensch“, schreibt sie. „Ich war gereizt, wütend, depressiv – und konnte nicht erklären, warum.“
Die Symptome waren so massiv, dass sie ihren Alltag und ihre Beziehungen beeinträchtigten. „Ich schrie meinen Freund an, weinte stundenlang ohne Grund und hatte das Gefühl, die Kontrolle über mein Leben zu verlieren.“ Der entscheidende Hinweis kam von ihrem Gynäkologen, der das Muster erkannte: Die Symptome traten ausschließlich in der Lutealphase auf – den ein bis zwei Wochen vor der Menstruation – und verschwanden mit Einsetzen der Periode wie von Zauberhand.
Die Diagnose: Prämenstruelle Dysphorie (PMDD) – eine schwere Form des PMS, die etwa 3–8 % aller Frauen im gebärfähigen Alter betrifft und von der WHO als eigenständige Erkrankung anerkannt ist.
Was ihr hilft: SSRIs, Therapie und radikale Ehrlichkeit
Für Busy Philipps war die Diagnose der erste Schritt zur Besserung. „Allein zu wissen, dass es einen Namen für das hat, was mit mir passiert, war eine riesige Erleichterung“, sagte sie in einem Interview mit Health Magazine.
Ihre Behandlung umfasst:
- SSRI (Fluoxetin/Prozac): Philipps nimmt ein selektives Serotonin-Wiederaufnahmehemmer – die Erstlinientherapie bei PMDD. Anders als bei Depressionen wirken SSRIs bei PMDD oft innerhalb von Stunden bis Tagen, nicht erst nach Wochen.
- Zyklus-Tracking: Sie dokumentiert ihre Symptome täglich, um die Lutealphase zu identifizieren und sich mental darauf einzustellen.
- Offene Kommunikation: „Ich sage meinem Mann und meinen Kindern: Es ist diese Woche im Monat. Bitte seid nachsichtig mit mir.“
- Coaching und Therapie: Kognitive Verhaltenstherapie half ihr, dysfunktionale Gedankenmuster in der Lutealphase zu erkennen.
Philipps betont, dass PMDD keine Charakterschwäche ist: „Das ist eine neurobiologische Reaktion auf normale Hormonschwankungen. Mein Gehirn reagiert einfach empfindlicher darauf – das ist nicht meine Schuld.“
PMDD und ADHS: Die doppelte Herausforderung
Eine zusätzliche Komplexität: Philipps wurde mit ADHS diagnostiziert – eine Kombination, die nicht selten ist. Studien zeigen, dass Frauen mit ADHS ein erhöhtes Risiko für PMDD haben, da beide Erkrankungen mit einer Dysregulation der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin zusammenhängen. In der Lutealphase, wenn der Östrogenspiegel sinkt, verschlimmern sich sowohl ADHS- als auch PMDD-Symptome – ein doppelter Sturm, den Philipps als „die härtesten Tage meines Lebens“ beschreibt.
Warum Offenheit Leben rettet: Das Vermächtnis des Bestsellers
Mit This Will Only Hurt a Little hat Busy Philipps nicht nur einen New York Times-Bestseller geschrieben – sie hat eine Lawine losgetreten. Nach der Veröffentlichung meldeten sich Tausende Frauen bei ihr, die sich in ihren Schilderungen wiedererkannten. „Frauen schrieben mir: ‚Ich dachte, ich bin die Einzige. Ich dachte, mit mir stimmt etwas nicht.'“
Für viele war Philipps‘ Buch der Anstoß, selbst eine Diagnose zu suchen. Eine Umfrage der International Association for Premenstrual Disorders (IAPMD) ergab, dass PMDD-Patientinnen im Durchschnitt 12 Jahre auf eine korrekte Diagnose warten – oft, weil sie fälschlicherweise mit Depressionen oder bipolaren Störungen abgestempelt werden.
Philipps nutzt ihre Plattform konsequent: In ihrem Podcast Busy Philipps Is Doing Her Best, in Talkshows und auf Instagram spricht sie offen über Zyklusgesundheit, mentale Gesundheit und die Notwendigkeit, PMDD zu enttabuisieren.
Was wir von Busy Philipps lernen können
Busy Philipps‘ Geschichte erinnert uns an drei zentrale Wahrheiten über PMDD:
- Symptome sind real: PMDD ist keine „schlechte Laune“ oder Einbildung – es ist eine anerkannte neurobiologische Störung.
- Diagnose ist der Wendepunkt: Ein Symptomtagebuch über mindestens zwei Zyklen zu führen, ist der Goldstandard für die PMDD-Diagnose.
- Hilfe ist möglich: Ob SSRI, kognitive Verhaltenstherapie, Lebensstil-Anpassungen oder – bei leichteren Symptomen – Nahrungsergänzungsmittel mit klinisch geprüften Inhaltsstoffen: Es gibt Wege aus dem monatlichen Leidenskreislauf.
Wer unter zyklusabhängigen Stimmungsschwankungen leidet und einen milderen Verlauf ohne SSRI-Behandlung sucht, findet im amitamin PMS Redux Testbericht eine ausführliche Analyse eines Nahrungsergänzungsmittels, das speziell für PMS-Symptome entwickelt wurde.
Fazit
Busy Philipps ist das lebende Beispiel dafür, dass PMDD keine Karrierebremse sein muss. Mit der richtigen Diagnose, adäquater Behandlung und vor allem: radikaler Ehrlichkeit – gegenüber sich selbst und anderen – lässt sich die prämenstruelle Dysphorie in den Griff bekommen. Ihr Mut, öffentlich über Scheidung, ADHS und PMDD zu sprechen, hat unzähligen Frauen den Weg zur Diagnose geebnet. Oder wie Philipps es selbst formuliert: „Nur weil etwas weh tut, heißt das nicht, dass es falsch ist, darüber zu sprechen.“
Quellen
- Philipps, Busy: This Will Only Hurt a Little. Touchstone, New York 2018. ISBN 978-1501184710
- Health Magazine: „Busy Philipps on PMDD and Mental Health“ (2019)
- Glamour: „Busy Philipps Opens Up About Her PMDD Diagnosis“ (2018)
- IAPMD – International Association for Premenstrual Disorders: PMDD-Factsheet
- Wikipedia: Busy Philipps (Link)
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Verdacht auf PMDD wende dich an eine Gynäkologin oder einen Psychiater.
Bild: Daniel Benavides, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons