Einleitung: Wenn Fast Food den Zyklus belastet

Prämenstruelle Beschwerden (PMS) betreffen Millionen Frauen weltweit – doch nur wenige vermuten, dass ihre Ernährung eine entscheidende Rolle spielt. Eine neue türkische Studie, veröffentlicht im Juli 2025 in der Fachzeitschrift Food Science & Nutrition, liefert erstmals konkrete Zahlen zum Zusammenhang zwischen ultra-verarbeiteten Lebensmitteln (UPF) und PMS-Schweregrad.

Die Ergebnisse sind alarmierend: Frauen mit PMS konsumieren signifikant mehr verarbeitete Lebensmittel und haben stärkere Heißhungerattacken – mit direkten Auswirkungen auf ihre Symptomintensität.

Die Studie: Design und Methodik

Die Forscher um Mahmut Bodur von der Abant İzzet Baysal Universität in der Türkei führten eine querschnittliche Studie mit 230 jungen erwachsenen Frauen über einen Menstruationszyklus durch:

  • Probanden: 230 Frauen im Alter von durchschnittlich 20,6 ± 1,8 Jahren
  • Erhebung: Premenstrual Syndrome Scale (PMS-Skala) zur Symptombewertung
  • Ernährungsdaten: Selbstberichtete Ernährungsprotokolle zur Erfassung des UPF-Konsums
  • Heißhunger: Food Craving Questionnaire-Trait (FCQ-T) zur Bewertung von Lebensmittelverlangen

UPF wurden nach der internationalen NOVA-Klassifikation definiert – Lebensmittel mit industriellen Formulierungen, Zusatzstoffen und veränderten Rohstoffen wie Fertiggerichte, Süßigkeiten, Softdrinks und Snacks.

Die Ergebnisse: Drei alarmierende Zahlen

Die Studie liefert drei zentrale Befunde, die das bisherige Verständnis von PMS-Risikofaktoren erweitern:

1. 61,3% PMS-Prävalenz – mit massiven UPF-Unterschieden

Über 61% der Teilnehmerinnen wiesen PMS-Symptome auf. Doch der entscheidende Unterschied lag im Ernährungsverhalten:

Frauen mit PMS konsumierten signifikant mehr ultra-verarbeitete Lebensmittel als Frauen ohne PMS. Besonders dramatisch war der Unterschied während der Menstruationsphase:

UPF-Energieaufnahme während der Menstruation:

  • Mit PMS: 1.042,0 ± 30,6 kcal
  • Ohne PMS: 635,6 ± 41,3 kcal
  • Differenz: 64% mehr UPF-Energie! (p < 0,001)

2. Heißhunger als starker Prädiktor

Die Auswertung mittels multipler linearer Regression identifizierte zwei signifikante Prädiktoren für PMS-Schweregrad:

  • Lebensmittelverlangen (Food Cravings): B = 0,468, p < 0,001
  • UPF-Konsum: B = 0,018, p = 0,022

Besonders das FCQ-Trait-Maß für Heißhunger zeigte den stärksten Einfluss auf die PMS-Symptomatik.

3. Der Zyklus-Effekt: UPF-Konsum steigt in sensiblen Phasen

Die Daten zeigten einen zyklusabhängigen Effekt: Der UPF-Konsum spitzte sich in der Menstruationsphase zu – genau dann, wenn hormonelle Fluktuationen bereits Entzündungen, Schmerzempfindlichkeit und Stimmungsschwankungen begünstigen.

Mechanismus: Warum UPF PMS verschlimmern

Die Studie diskutiert mehrere biologische Plausibilitäten:

Entzündungsfördernde Ernährung

UPF sind reich an raffinierten Zucker, gesättigten Fetten, Transfetten und Zusatzstoffen – Inhaltsstoffe, die systemische Entzündungsprozesse fördern. Da Entzündungsmarker wie CRP und IL-6 mit PMS-Schweregrad korrelieren, könnte eine pro-inflammatorische Ernährung die Symptome verstärken.

Blutzucker-Insulin-Dysregulation

Hoher UPF-Konsum führt zu Blutzuckerspitzen und -abstürzen, die Reizbarkeit, Müdigkeit und Heißhunger verstärken – Symptome, die im prämenstruellen Kontext bereits ausgeprägt sind.

Mikrobiom-Störung

UPF reduzieren die Darm-Mikrobiom-Diversität und beeinflussen die Darm-Hirn-Achse. Da Darmbakterien Hormonmetabolismus und Neurotransmitter-Synthese modulieren, könnte ein gestörtes Mikrobiom PMS-Symptome vermitteln.

Psychologische Verstärkung

Das erhöhte Lebensmittelverlangen könnte durch Emotionales Essen verstärkt werden – ein Coping-Mechanismus, der kurzfristig Trost spendet, langfristig aber Entzündungen begünstigt.

Einschränkungen der Studie

  • Querschnittliches Design: Keine Kausalität beweisbar
  • Selbstberichtete Ernährungsdaten: Recall-Bias möglich
  • Junge Probanden: Durchschnittsalter 20,6 Jahre – Generalisierbarkeit auf ältere Frauen unklar
  • Keine Kontrolle für Confounder: Sozioökonomischer Status, körperliche Aktivität nicht vollständig adjustiert

Fazit: Ernährung als versteckter PMS-Faktor

Die Studie von Bodur et al. (2025) erweitert das Bild von PMS-Risikofaktoren um einen bisher unterbewerteten Aspekt: die Qualität der Ernährung. Dass Frauen mit PMS in der Menstruationsphase über 60% mehr Energie aus ultra-verarbeiteten Lebensmitteln beziehen, deutet auf einen bidirektionalen Zusammenhang hin.

Für die Praxis bedeutet das: Ernährungsinterventionen sollten zyklusabhängig gestaltet werden. Besonders in der Luteal- und Menstruationsphase ist eine bewusste Reduktion von UPF sinnvoll.

Praktische Empfehlungen

  • Zyklus-Tracking: Erfassen Sie UPF-Konsum und Symptome parallel
  • Gezielte Vorsorge: Reduzieren Sie UPF vorab in der Lutealphase
  • Gesunde Alternativen: Bereiten Sie nährstoffreiche Snacks vor
  • Stressmanagement: Kombinieren Sie Ernährungsänderungen mit Entspannungstechniken

Quellenangabe

Bodur M, et al. Premenstrual Syndrome, Ultra-Processed Food Intake, and Food Cravings: A New Perspective. Food Science & Nutrition. 2025;13(7):e70520. doi: 10.1002/fsn3.70520

PubMed: PMID 40590028

Haftungsausschluss

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder eine Ärztin.