Eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie aus Dezember 2023 zeigt: Das Probiotikum Lactobacillus paragasseri OLL2809 verbessert prämenstruelle psychische Symptome signifikant – insbesondere Reizbarkeit und Aktivitätslevel.
Einleitung: Der Darm als Schlüssel zur Stimmung?
Frauen mit prämenstruellem Syndrom (PMS) kennen die Tage vor der Periode nur zu gut: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, innere Unruhe und ein deutlicher Abfall des Energielevels gehören zu den häufigsten Beschwerden. Während die Forschung bisher vor allem auf Hormonschwankungen und Neurotransmitter wie Serotonin fokussiert war, rückt eine neue Studie einen anderen Ansatzpunkt ins Zentrum: die Darm-Hirn-Achse.
Japanische Wissenschaftler haben untersucht, ob ein spezifisches Probiotikum – Lactobacillus paragasseri OLL2809 – prämenstruelle psychische Symptome lindern kann. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal Nutrients im Dezember 2023, bieten neue Perspektiven für Frauen, die nach natürlichen Unterstützungsmöglichkeiten suchen.
Studiendesign: Sorgfältig kontrolliert über drei Zyklen
Die Studie wurde als randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppen-Studie durchgeführt – der Goldstandard klinischer Forschung. 80 gesunde Frauen im Alter von 25 bis 40 Jahren mit regelmäßigen Menstruationszyklen und selbstberichteten prämenstruellen Beschwerden nahmen teil.
Die Teilnehmerinnen wurden nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeordnet:
- Interventionsgruppe: Täglich zwei Tabletten mit OLL2809 (entsprechend ca. 1 × 10¹⁰ Bakterienzellen)
- Placebogruppe: Täglich zwei Tabletten ohne Wirkstoff
Die Einnahme erfolgte kontinuierlich über drei vollständige Menstruationszyklen (ca. 12 Wochen). Zur Erfassung der Symptome verwendeten die Forscher etablierte Instrumente: den Menstrual Distress Questionnaire (MDQ), den SF-36 Gesundheitsfragebogen und visuelle Analogskalen (VAS) für spezifische Symptome wie Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen.
Ergebnisse: Signifikante Verbesserung bei Reizbarkeit und Aktivität
Die Hauptergebnisse der Studie waren vielversprechend:
1. Prämenstruelles Aktivitätslevel („Arousal“)
Frauen in der OLL2809-Gruppe zeigten nach drei Zyklen einen signifikant höheren Score im MDQ-Subfaktor „Arousal“ – dieser erfasst positive Veränderungen wie Energielevel und Aktivität. Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch signifikant (p = 0,023).
2. Reizbarkeit
Auf der visuellen Analogskala (VAS) berichteten Teilnehmerinnen der Interventionsgruppe über eine signifikant stärkere Reduktion prämenstrueller Reizbarkeit im Vergleich zur Placebogruppe (p = 0,048). Nach drei Zyklen betrug die durchschnittliche Verbesserung 20,2 Punkte in der OLL2809-Gruppe gegenüber 7,6 Punkten in der Placebogruppe.
3. Stimmungsschwankungen
Auch bei Stimmungsschwankungen zeigte sich ein Trend zugunsten des Probiotikums, allerdings ohne statistische Signifikanz (p = 0,070).
4. Körperliche Symptome
Interessanterweise gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen bei körperlichen Beschwerden wie Unterleibskrämpfen, Hautproblemen oder Schwellungen. Die Wirkung scheint sich primär auf psychische Symptome zu beschränken.
Interpretation: Wie könnte das Probiotikum wirken?
Die Autoren diskutieren mehrere mögliche Wirkmechanismen:
- HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse): OLL2809 hat in früheren Studien stressreduzierende Eigenschaften gezeigt. Da Stress ein bekannter Verstärker prämenstrueller Symptome ist, könnte die Modulation der Stressantwort über die HPA-Achse eine zentrale Rolle spielen.
- Darm-Mikrobiota-Modulation: Das Probiotikum könnte die Zusammensetzung der Darmbakterien positiv verändern und so indirekt die Produktion von Neurotransmittern beeinflussen.
- Serotonin- und GABA-Produktion: Bestimmte Darmbakterien sind an der Synthese dieser Botenstoffe beteiligt, die für Stimmung und Entspannung relevant sind.
Einschränkungen der Studie
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse nennen die Autoren wichtige Limitationen:
- Subjektive Messinstrumente: Alle Endpunkte basierten auf Selbstauskünften der Teilnehmerinnen. Objektive Biomarker wurden nicht erhoben.
- Gesunde Teilnehmerinnen: Die Studie schloss Frauen mit diagnostiziertem PMS, PMDD oder gynäkologischen Erkrankungen explizit aus. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht direkt auf klinische Populationen übertragen.
- Keine mechanistischen Daten: Der genaue Wirkmechanismus bleibt spekulativ und bedarf weiterer Forschung.
- Industriefinanzierung: Alle Autoren sind Mitarbeiter von Meiji Co., Ltd., dem Hersteller des Probiotikums.
Fazit: Ein neuer Ansatz für leichte bis moderate Beschwerden
Die Studie liefert erste Evidenz dafür, dass Lactobacillus paragasseri OLL2809 prämenstruelle psychische Symptome – insbesondere Reizbarkeit und Energiemangel – bei gesunden Frauen lindern kann. Für Frauen mit leichten bis moderaten Beschwerden, die keine medikamentöse Behandlung wünschen, könnte das Probiotikum eine interessante Option darstellen.
Allerdings sind weitere Studien notwendig, um die Wirksamkeit bei Frauen mit diagnostiziertem PMS oder PMDD zu bestätigen und den Wirkmechanismus besser zu verstehen. Bis dahin gilt: Probiotika können eine ergänzende Maßnahme sein, ersetzen aber keine ärztliche Beratung bei schweren Symptomen.
Quellenangabe:
Sato A, Fukawa-Nagira A, Sashihara T. Lactobacillus paragasseri OLL2809 Improves Premenstrual Psychological Symptoms in Healthy Women: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Study. Nutrients. 2023 Dec 1;15(23):4985. doi: 10.3390/nu15234985
PubMed: PMID 38068843 | PMC: PMC10707835
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38068843/
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