Das prämenstruelle Syndrom (PMS) betrifft schätzungsweise 80–95 % aller Frauen im gebärfähigen Alter. Während viele Betroffene auf Schmerzmittel, Hormone oder Antidepressiva zurückgreifen, suchen immer mehr nach natürlichen Alternativen mit weniger Nebenwirkungen. Eine brandneue randomisierte Doppelblindstudie aus dem Iran liefert erstaunliche Ergebnisse: Propolis, auch bekannt als Bienenharz, reduziert PMS-Symptome um bis zu 78,9 % – vergleichbar mit pharmakologischen Ansätzen, aber ohne deren Nebenwirkungen.
Die Studie: Propolis versus Fenchel versus Placebo
Die Forschergruppe um Shayan et al. führte 2024 an der Hamadan University of Medical Sciences im Iran eine randomisierte, doppelblinde, dreifach vergleichende Studie durch, die im Januar 2026 in der renommierten Fachzeitschrift Reviews on Recent Clinical Trials veröffentlicht wurde.
Studiendesign im Überblick:
- Teilnehmerinnen: 90 Studentinnen mit diagnostiziertem PMS
- Interventionsdauer: Zwei Menstruationszyklen
- Gruppen: Propolis (500 mg täglich), Fenchelextrakt (30 mg Fennelin täglich) oder Placebo – jeweils n = 30
- Design: Doppelblind, randomisiert, plazebokontrolliert
- Primärer Endpunkt: Veränderung der PMS-Symptomseverity nach validierten Fragebögen
- Registrierung: IRCT20120215009014N525
Ergebnisse: Bienenharz überzeugt
Die Ergebnisse waren eindeutig und statistisch signifikant:
- Propolis-Gruppe: 78,9 % Reduktion der PMS-Symptomseverity (p = 0,016)
- Fenchelin-Gruppe: 79,3 % Reduktion der PMS-Symptomseverity (p = 0,016)
- Placebo-Gruppe: Keine signifikante Veränderung (p = 0,206)
Besonders bemerkenswert: Keine Nebenwirkungen wurden in beiden Aktivgruppen berichtet. Die Symptomreduktion betraf sowohl psychische als auch körperliche PMS-Beschwerden – von Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit über Schlafstörungen bis hin zu körperlichen Symptomen wie Brustspannen und Unterleibsschmerzen.
Warum wirkt Propolis bei PMS? Die biologischen Mechanismen
Propolis ist ein harzartiges Gemisch, das Bienen aus Knospen und Bäumen sammeln und mit Enzymen und Wachs modifizieren. Es enthält über 300 bioaktive Verbindungen, darunter:
- Flavonoide und Phenolsäuren: Potente Antioxidantien, die oxidativen Stress reduzieren – ein Faktor, der bei PMS eine zentrale Rolle spielt.
- Entzündungshemmende Wirkstoffe: Propolis hemmt die Freisetzung pro-inflammatorischer Zytokine, die mit PMS-Symptomen assoziiert sind.
- Hormonmodulierende Eigenschaften: Tierstudien deuten darauf hin, dass Propolis die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse modulieren kann.
- Neuroprotektive Effekte: Bestimmte Propolis-Komponenten können die Serotonin-Signalübertragung unterstützen.
Der Vergleich mit Fenchel ist interessant: Fenchel enthält Anethol, einen phytoöstrogenen Wirkstoff, der bereits in früheren Studien PMS-Symptome lindern konnte. Dass beide Substanzen ähnlich wirksam sind, spricht für ein breites Spektrum natürlicher Ansätze.
Einschränkungen der Studie
Wie bei jeder klinischen Studie gibt es auch hier Limitationen:
- Kleine Stichprobe: 90 Teilnehmerinnen begrenzen die statistische Power und Generalisierbarkeit.
- Kurze Beobachtungszeit: Zwei Menstruationszyklen erlauben keine Aussage zur Langzeitwirksamkeit.
- Homogene Population: Ausschließlich iranische Studentinnen – kulturelle und ethnische Übertragbarkeit ist nicht gesichert.
- Keine direkte Vergleichsgruppe mit Standardtherapie: Es wurde nicht gegen SSRI oder hormonelle Präparate getestet.
- Fehlende biochemische Analyse: Keine Messung von Propolis-Metaboliten im Blut der Teilnehmerinnen.
Praktische Implikationen: Was bedeutet das für Betroffene?
Für Frauen mit PMS eröffnet die Studie eine vielversprechende, natürliche Option:
- Dosierung: Die Studie verwendete 500 mg Propolis pro Tag über zwei Zyklen. Äquivalente Dosen sind in vielen Nahrungsergänzungsmitteln verfügbar.
- Sicherheit: Propolis gilt als gut verträglich, kann aber bei manchen Personen allergische Reaktionen auslösen – besonders bei Bienenprodukt-Allergie.
- Kombination mit anderen Ansätzen: Propolis kann ergänzend zu Magnesium, Calcium, Bewegung oder Stressmanagement eingesetzt werden.
- Kein Ersatz für ärztliche Behandlung: Bei schwerem PMS oder PMDD sollte Propolis als Ergänzung, nicht als Ersatz für medizinische Therapie verstanden werden.
Fazit: Ein vielversprechender Naturstoff mit robuster Evidenz
Die randomisierte Doppelblindstudie von Shayan et al. liefert erstmalig hochwertige RCT-Evidenz dafür, dass Propolis (Bienenharz) prämenstruelle Symptome signifikant lindert. Mit einer Reduktionsrate von 78,9 % ist Propolis vergleichbar mit etablierten natürlichen Alternativen wie Fenchel – und deutlich wirksamer als Placebo.
Für betroffene Frauen bedeutet dies: Propolis ist keine Esoterik, sondern ein wissenschaftlich geprüfter Naturstoff mit konkretem PMS-Potenzial. Die Kombination aus antioxidativen, entzündungshemmenden und möglicherweise hormonmodulierenden Eigenschaften macht Bienenharz zu einem interessanten Kandidaten für das komplementäre PMS-Management.
Quellenangabe
Primärquelle: Shayan A, Tiznobik A, Refaei M, Fatholahi E, Arasteh FE, Niatabesh RA, Tapak L, Moradkhani S, Masoumi SZ. Comparison of the Effects of Propolis and Fennelin Capsules on Premenstrual Syndrome in Students: A Randomized Clinical Trial. Rev Recent Clin Trials. 2026 Jan 7. DOI: 10.2174/1574887113666250107145607
PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41510731/
Haftungsausschluss
Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der Information und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder eine Ärztin. Propolis kann allergische Reaktionen auslösen, insbesondere bei bestehenderAllergie gegen Bienenprodukte. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorab mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
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