Ernährungsbildung gegen PMS: Türkische RCT-Studie zeigt 27,5 Punkte weniger Symptom-Score

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) betrifft bis zu 90 % der Frauen im gebärfähigen Alter – doch die Mehrheit sucht nicht aktiv nach Behandlung. Während Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente oft im Fokus stehen, zeigt eine neue randomisierte kontrollierte Studie aus der Türkei: Bereits eine einstündige Ernährungsbildung kann die PMS-Symptomatik signifikant lindern.

Studiendesign

Die Forscherinnen Duygu Mataracı-Değirmenci und Nevin Erbil von der Ordu University randomisierten 83 Pflegestudierende mit diagnostiziertem PMS (PMSS ≥ 111) in eine Interventions- (n = 43) und eine Kontrollgruppe (n = 40). Die Intervention bestand aus einer einmaligen, strukturierten 1-Stunden-Ernährungsbildung, unterstützt durch Follow-up-E-Mails nach 30 und 60 Tagen. Die Kontrollgruppe erhielt keine Intervention.

Primärer Endpunkt war die Veränderung des Premenstrual Syndrome Scale (PMSS) über 4 Monate. Sekundäre Endpunkte umfassten Nährstoffaufnahme (24h-Recall) und anthropometrische Daten.

Ergebnisse

Die Ergebnisse waren beeindruckend:

  • PMSS-Gesamtscore: Reduktion um 27,5 Punkte (p < 0,05)
  • Depressive Gefühle: Signifikante Abnahme
  • Ängstlichkeit: Signifikante Abnahme
  • Reizbarkeit: Signifikante Abnahme
  • Schlafstörungen: Signifikante Abnahme
  • Appetitveränderungen: Signifikante Abnahme

Körperliche Veränderungen:

  • Körpergewicht: −1,2 kg (p < 0,05)
  • BMI: −0,5 kg/m² (p < 0,05)
  • Taillenumfang: −2,1 cm (p < 0,05)
  • Hüftumfang: −1,5 cm (p < 0,05)

Verbesserte Nährstoffaufnahme:

  • Protein: +11,4 g/Tag
  • Vitamin B2: +0,3 mg/Tag
  • Calcium: +184,3 mg/Tag
  • Eisen: +1,1 mg/Tag
  • Zink: +0,6 mg/Tag

In der Kontrollgruppe wurden keine signifikanten Veränderungen beobachtet.

Interpretation

Die Studie liefert erstmalig RCT-Evidenz dafür, dass strukturierte Ernährungsbildung – ohne zusätzliche Supplementierung – eine effektive, nicht-pharmakologische Intervention bei PMS darstellt. Die Verbesserungen betrafen sowohl psychische als auch physische Symptome und korrelierten mit einer objektiv messbaren Verbesserung der Ernährungsqualität.

Besonders relevant: Die Intervention war zeitlich minimal (1 Stunde + 2 E-Mails) und damit praxistauglich für Arztpraxen, Kliniken und universitäre Beratungsstellen.

Einschränkungen

  • Single-Center-Studie an einer Universität in der Türkei
  • Relativ kleine Stichprobe (n = 83)
  • Keine Langzeit-Follow-up-Daten über 4 Monate hinaus
  • Selektive Population (nur Pflegestudierende)
  • Keine Blutwertkontrollen zur Objektivierung der Nährstoffversorgung

Fazit

Für Frauen mit PMS, die keine Medikamente einnehmen möchten oder können, bietet Ernährungsbildung eine evidenzbasierte, kostengünstige Alternative. Die Verbesserung der Nährstoffaufnahme – insbesondere von Protein, B-Vitaminen, Calcium, Eisen und Zink – scheint ein zentraler Wirkmechanismus zu sein.

Praxistipp: Eine strukturierte Ernährungsberatung durch qualifizierte Fachkräfte sollte als integrativer Bestandteil des PMS-Managements in Betracht gezogen werden.


Quelle: Mataracı-Değirmenci D, Erbil N. The effect of nutrition education on premenstrual syndrome: Randomized controlled study. Nutr Health. 2025; doi: 10.1177/02601060251380475. PMID: 41004653. PubMed-Link

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei schweren PMS-Symptomen oder Verdacht auf PMDD konsultieren Sie bitte einen Facharzt.