Einleitung: Wenn der Star die Stille bricht
Halsey – geboren als Ashley Nicolette Frangipane – ist eine der erfolgreichsten Popstars der Gegenwart. Mit Hits wie „Without Me“, „Bad at Love“ und „Closer“ (mit The Chainsmokers) hat sie sich in die Charts der Welt gespielt. Doch hinter der toughen Fassade, den bunten Haaren und der unerschrockenen Attitüde verbirgt sich eine Frau, die jahrelang mit einer Krankheit kämpfte, die weder glamourös noch melodisch ist: der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDD).
Ihre Offenheit über diese schwere Form des PMS hat nicht nur ihr eigenes Leben verändert – sondern auch das Bewusstsein für ein weit verbreitetes, aber oft ignoriertes Gesundheitsproblem gestärkt. Besonders in jüngeren Interviews hat Halsey betont, wie wichtig es ist, über menstruelle Gesundheit zu sprechen – und wie befreiend eine korrekte Diagnose sein kann.
Wer ist Halsey?
Geboren 1994 in Edison, New Jersey, startete Halsey ihre Karriere mit selbst veröffentlichten Songs auf SoundCloud. Ihr Durchbruch kam 2015 mit dem Debütalbum Badlands, gefolgt von Hopeless Fountain Kingdom (2017) und Manic (2020). Sie ist bekannt für ihre rohe, ehrliche Lyrik, ihre visuell atemberaubenden Musikvideos und ihre unerschrockene Haltung zu sozialen Themen.
Doch parallel zu ihrer aufsteigenden Karriere kämpfte Halsey mit einem inneren Gegner, den sie lange Zeit nicht benennen konnte – einen Gegner, der jeden Monat zurückkehrte und ihr Leben für Tage lang in Dunkelheit tauchte.
„Ich dachte, ich werde verrückt“ – Halseys PMDD-Erfahrung
In verschiedenen Interviews und sozialen Medien hat Halsey ihre PMDD als eine Zeit beschrieben, in der sie sich „wie eine andere Person“ fühlte. Während der lutealen Phase – den Tagen vor ihrer Periode – erlebte sie extreme Stimmungsschwankungen, intensive Reizbarkeit, Angstzustände und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das ihre Fähigkeit zur Arbeit und zu normalen sozialen Interaktionen massiv beeinträchtigte.
Besonders bemerkenswert ist, dass Halsey betont hat, wie lange es dauerte, bis sie eine korrekte Diagnose erhielt. Jahrelang wurde sie mit verschiedenen psychiatrischen Diagnosen abgefertigt – bis ein Arzt schließlich den Zusammenhang zwischen ihren Symptomen und ihrem Zyklus erkannte. Diese Erfahrung ist leider typisch für viele PMDD-Betroffene: Die Erkrankung wird häufig falsch diagnostiziert oder als „normales PMS“ abgetan.
Was PMDD von normalem PMS unterscheidet
Viele Frauen kennen PMS-Symptome wie Stimmungsschwankungen, Müdigkeit oder Reizbarkeit. Doch PMDD ist ein anderes Kaliber: Es ist eine diagnostizierbare psychische Störung, die durch extreme emotionale und physische Symptome gekennzeichnet ist – Depression, Angst, extreme Reizbarkeit und kognitive Nebel, die das tägliche Funktionieren massiv beeinträchtigen.
Die Symptome treten typischerweise 7–10 Tage vor der Menstruation auf und klingen kurz nach Beginn der Periode ab. Was PMDD besonders tückisch macht: Die Betroffenen fühlen sich in der symptomfreien Phase oft völlig normal – was das Verständnis für die Erkrankung erschwert und häufig zu Fehldiagnosen führt.
Warum Halseys Offenheit so wichtig ist
Halsey gehört zu den wenigen Prominenten, die PMDD nicht als Randnotiz, sondern als ernsthafte Erkrankung thematisieren. Ihr Bekenntnis hilft, zwei gefährliche Mythe zu entkräften:
- „Es ist nur PMS“: PMDD ist keine Übertreibung normaler Beschwerden, sondern eine biologisch fundierte Störung mit neurochemischen Ursachen.
- „Starke Frauen haben keine solchen Probleme“: Halsey beweist das Gegenteil – selbst die erfolgreichsten, scheinbar unverwundbarsten Frauen können von PMDD betroffen sein.
Ihre Worte haben eine besondere Wirkkraft: Als Künstlerin, deren Markenzeichen die totale emotionale Offenheit ist, gibt Halsey Betroffenen das Gefühl, nicht allein zu sein – und nicht „verrückt“ zu sein.
Was hilft bei PMDD? Halseys Weg und die wissenschaftlichen Optionen
Halsey hat betont, wie wichtig professionelle Hilfe ist. Sie ermutigt andere Frauen, bei ähnlichen Symptomen einen Arzt aufzusuchen – nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als Akt der Selbstfürsorge.
Behandlungsmöglichkeiten für PMDD
Die moderne PMDD-Therapie umfasst mehrere evidenzbasierte Ansätze:
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI): Die erste Wahl bei schwerer PMDD. Medikamente wie Fluoxetin oder Sertralin können entweder durchgehend oder nur in der Lutealphase eingenommen werden.
- Hormonelle Therapien: Ovulationshemmer wie GnRH-Agonisten oder in Einzelfällen die operative Entfernung der Eierstöcke (Oophorektomie) bei therapieresistenten Fällen.
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Eine Meta-Analyse (2025) bestätigt, dass psychologische Interventionen PMS-Symptome signifikant lindern.
- Lebensstiländerungen: Regelmäßige Bewegung, ausreichender Schlaf, Stressreduktion und eine ausgewogene Ernährung können die Symptome mildern.
Nahrungsergänzung als unterstützende Maßnahme
Bei PMS und leichter PMDD können bestimmte Nährstoffe eine unterstützende Rolle spielen:
- Magnesium: Klassische Studien zeigen eine signifikante Symptomlinderung.
- Vitamin B6: Unterstützt die Serotonin-Synthese.
- Omega-3-Fettsäuren: Meta-Analysen bestätigen ihre entzündungshemmende und stimmungsstabilisierende Wirkung.
- Zink und Vitamin D: Aktuelle Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse.
Hinweis: Bei Verdacht auf PMDD sollte zunächst eine medizinische Diagnose erfolgen. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine professionelle Behandlung.
Das Tabu brechen: Warum wir über menstruelle Gesundheit sprechen müssen
Halseys Entscheidung, über PMDD zu sprechen, fällt in eine Zeit, in der das Stigma um mentale Gesundheit langsam bröckelt – das Stigma um menstruelle Gesundheit jedoch hartnäckig bleibt. Millionen Frauen leiden weltweit unter PMS und PMDD, doch nur ein Bruchteil erhält adäquate Diagnose und Behandlung.
Die Gründe sind vielfältig:
- Symptome werden als „normale Frauenbeschwerden“ abgetan.
- Ärzte sind oft nicht ausreichend geschult in zyklusbezogenen Störungen.
- Betroffene schämen sich oder fühlen sich nicht ernst genommen.
Prominente wie Halsey tragen dazu bei, dieses Schweigen zu durchbrechen. Jede öffentliche Aussage, jede ehrliche Erzählung senkt die Schwelle für Betroffene, Hilfe zu suchen – und für das Gesundheitssystem, diese Hilfe ernsthaft anzubieten.
Fazit: Musik heilt – und Offenheit auch
Halsey hat ihr Leben der Kunst der Musik gewidmet. Doch ihre Offenheit über PMDD zeigt: Manchmal ist das Mutigste nicht der Song, sondern die Wahrheit. Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass hinter glamourösen Karrieren und strahlenden Lächeln oft unsichtbare Kämpfe stehen – Kämpfe, die Anerkennung und Behandlung verdienen.
Für Frauen mit PMDD ist Halseys Botschaft klar: Ihr seid nicht allein. Eure Symptome sind real. Und es gibt Wege, sie zu lindern. Der erste Schritt ist oft der schwerste – aber Prominente wie Halsey machen ihn sichtbarer und erträglicher.
Quellenangabe
Interviews und Berichte:
- Halsey in diversen Interviews über PMDD und mentale Gesundheit (Women’s Health Magazine, Rolling Stone, Twitter/X-Posts)
- Our Mental Health: „11 Celebrities Open Up About Premenstrual Dysphoric Disorder (PMDD)“, November 2024
Wissenschaftliche Quellen:
- Zhou J, et al. Bidirectional Association Between Premenstrual Disorders and Psychiatric Disorders. JAMA Netw Open. 2026;9(6):e2611765.
- Hantsoo L, Epperson CN. Premenstrual Dysphoric Disorder. Epidemiology and Treatment. Curr Psychiatry Rep. 2015;17(11):87.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf PMDD oder PMS konsultieren Sie bitte eine Fachärztin oder einen Facharzt. Die beschriebenen Behandlungsmöglichkeiten stammen aus der wissenschaftlichen Literatur und sind keine individuellen Therapieempfehlungen.
Bildquelle: Halsey at the 2026 Cannes Film Festival, Foto: Ondine Goat / WikiPortraits, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
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