Einleitung: Wenn Naturheilkunde auf Evidenz trifft
Das prämenstruelle Syndrom (PMS) betrifft schätzungsweise 20–40 % aller menstruierenden Frauen in störender Form. Während viele auf Schmerzmittel oder hormonelle Präparate zurückgreifen, rückt zunehmend die Naturheilkunde in den Fokus der Forschung. Zwei Substanzen, die aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen, zeigen in einer aktuellen klinischen Studie bemerkenswerte Ergebnisse: Propolis – das antibakterielle Bienenharz – und Fenchel – das aromatische Küchengewürz mit jahrhundertealter Heiltradition.
Studie: Shayan et al. (2026)
Eine doppelblinde, randomisierte kontrollierte Studie von Shayan und Kollegen, 2026 im Reviews on Recent Clinical Trials veröffentlicht, untersuchte erstmals systematisch die Wirksamkeit von Propolis- und Fenchelextrakten bei PMS.
Studiendesign
- Design: Doppelblinde, randomisierte klinische Studie mit drei Armen
- Teilnehmerinnen: 90 Studentinnen der Hamadan University of Medical Sciences (Iran) mit diagnostiziertem PMS
- Randomisierung: 30 Teilnehmerinnen pro Gruppe
- Intervention:
- Gruppe 1: Propolis-Kapseln (500 mg) – 30 Teilnehmerinnen
- Gruppe 2: Fenchelin-Kapseln (30 mg Extrakt) – 30 Teilnehmerinnen
- Gruppe 3: Placebo – 30 Teilnehmerinnen
- Dauer: Zwei Menstruationszyklen
- Endpoints: PMS-Symptomstärke und -häufigkeit anhand validierter Fragebögen, analysiert mit SPSS-21
Ergebnisse
Die Ergebnisse waren eindeutig und klinisch relevant:
- Propolis-Gruppe: 78,9 % Reduktion der PMS-Symptomstärke (p = 0,016)
- Fenchelin-Gruppe: 79,3 % Reduktion der PMS-Symptomstärke (p = 0,016)
- Placebo-Gruppe: Keine signifikante Veränderung (p = 0,206)
- Nebenwirkungen: Keine berichtet
Warum wirken Propolis und Fenchel?
Propolis – Das Immunsystem der Bienen
Propolis, auch Bienenharz genannt, ist ein harzartiges Gemisch, das Honigbienen aus Knospen und Rinden sammeln. Es enthält über 300 bioaktive Verbindungen, darunter Flavonoide, Phenolsäuren und Terpene. Diese Substanzen wirken:
- Entzündungshemmend: Hemmung pro-inflammatorischer Zytokine
- Antioxidativ: Neutralisierung freier Radikale, die zur PMS-Pathophysiologie beitragen
- Hormonmodulierend: Einfluss auf Östrogen- und Progesteron-Rezeptoren
- Anxiolytisch: Beruhigende Effekte auf das Nervensystem
Fenchel – Das ätherische Heilkraut
Fenchel (Foeniculum vulgare) ist seit der Antike in der Medizin bekannt. Seine Wirkstoffe, insbesondere Anethol und Fenchon, wirken:
- Spasmolytisch: Entspannung glatter Muskulatur – relevant für Unterleibskrämpfe
- Phytoöstrogen: Mild östrogenartige Wirkung, die hormonelle Schwankungen modulieren kann
- Anti-inflammatorisch: Hemmung von COX-2 und Prostaglandin-Synthese
- Verdauungsfördernd: Reduktion von Blähungen und Wassereinlagerungen
Interpretation und klinische Bedeutung
Die Studie von Shayan et al. liefert wichtige Hinweise für die klinische Praxis:
- Hohe Wirksamkeit: Beide Substanzen zeigen eine Symptomreduktion von fast 80 % – das ist vergleichbar mit oder überlegen zu vielen konventionellen Ansätzen.
- Gute Verträglichkeit: Keine Nebenwirkungen wurden berichtet – ein Vorteil gegenüber NSAR oder hormonellen Präparaten.
- Kostengünstig und zugänglich: Beide Substanzen sind als Nahrungsergänzungsmittel rezeptfrei erhältlich.
- Komplementärpotenzial: Propolis und Fenchel können als Ergänzung zu anderen PMS-Strategien eingesetzt werden.
Einschränkungen
Wie bei jeder Studie gibt es auch hier Grenzen zu beachten:
- Population: Ausschließlich Studentinnen – die Generalisierbarkeit auf ältere Frauen oder andere soziale Gruppen ist unklar.
- Stichprobengröße: 90 Teilnehmerinnen sind moderat; größere Studien wären wünschenswert.
- Studiendauer: Zwei Menstruationszyklen sind relativ kurz; Langzeitdaten fehlen.
- Kein direkter Vergleich: Die Studie verglich beide Substanzen separat mit Placebo, aber nicht direkt miteinander.
- Keine biochemischen Messungen: Hormonelle oder entzündliche Marker wurden nicht erfasst.
Fazit
Die Studie von Shayan et al. (2026) liefert überzeugende Hinweise: Propolis (500 mg) und Fenchelextrakt (30 mg) sind wirksame, nebenwirkungsarme Optionen zur Linderung prämenstrueller Symptome – mit einer Symptomreduktion von fast 80 %.
Für Frauen, die nach natürlichen Alternativen zu Medikamenten suchen, bieten diese beiden Substanzen eine evidenzbasierte, gut verträgliche Option. Ob als Einzelpräparate oder in Kombination mit anderen Strategien – die Daten sind vielversprechend und rechtfertigen weitere Forschung mit größeren Stichproben und längerer Beobachtungszeit.
Quelle
Shayan A, Tiznobik A, Refaei M, Fatholahi E, Arasteh FE, Niatabesh RA, Tapak L, Moradkhani S, Masoumi SZ. Comparison of the Effects of Propolis and Fennelin Capsules on Premenstrual Syndrome in Students: A Randomized Clinical Trial. Rev Recent Clin Trials. 2026. doi:10.2174/0115748871406071251122055743
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine medizinische Beratung dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder eine Ärztin. Nahrungsergänzungsmittel sollten nie ohne ärztlichen Rat abgesetzt oder neu begonnen werden.
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