Junge Frau beim Mandala-Ausmalen – Kunsttherapie zur PMS-Linderung

Einleitung: Wenn Farben heilen

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) betrifft schätzungsweise 80–95 % aller Frauen im gebärfähigen Alter. Während viele Betroffene auf Schmerzmittel, Hormone oder Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen, suchen immer mehr Frauen nach sanften, nicht-pharmakologischen Alternativen. Eine brandneue randomisierte kontrollierte Studie aus der Türkei liefert nun eine überraschende Erkenntnis: Mandala-Coloring – das strukturierte Ausmalen kreisförmiger, symmetrischer Muster – kann PMS-Symptome signifikant reduzieren.

Studiendesign: 80 Studentinnen, ein Mandala-Buch

Die Studie von Derin und Şolt Kırca (2026) wurde als einfach-verblindete, randomisierte kontrollierte Studie an der Kırklareli Universität in der Türkei durchgeführt. Zwischen November 2023 und März 2024 wurden 80 Studentinnen im Alter von mindestens 19 Jahren rekrutiert, die unter PMS litten.

Die Teilnehmerinnen wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt:

  • Interventionsgruppe (n=40): Regelmäßige Mandala-Coloring-Sitzungen über den Studienzeitraum
  • Kontrollgruppe (n=40): Keine Intervention, normale Routine

Die PMS-Symptome wurden zu Beginn und nach der Intervention mit der validierten Premenstrual Syndrome Scale (PMSS) gemessen, die sowohl körperliche als auch psychische Symptome erfasst.

Ergebnisse: Deutliche Symptomreduktion in allen Bereichen

Die Ergebnisse waren eindeutig: Während die Kontrollgruppe nahezu unverändert blieb (PMSS-Wert von 161,51 ± 25,75 auf 162,14 ± 25,05), zeigte die Mandala-Gruppe eine dramatische Verbesserung – der PMSS-Gesamtwert sank von 155,22 ± 26,14 auf 112,68 ± 30,65 (p < 0,05).

Besonders bemerkenswert: Die Signifikanz zeigte sich nicht nur im Gesamtscore, sondern auch in sämtlichen PMSS-Subskalen. Das bedeutet, dass Mandala-Coloring sowohl körperliche Beschwerden (Schmerzen, Spannungsgefühle) als auch psychische Symptome (depressive Verstimmung, Reizbarkeit, Angst) gleichermaßen linderte.

Warum wirkt Mandala-Coloring bei PMS?

Die Autoren führen mehrere Wirkmechanismen an:

  1. Achtsamkeitseffekt: Das fokussierte Ausmalen symmetrischer Muster versetzt das Gehirn in einen meditationsähnlichen Zustand. Die Aufmerksamkeit wird von negativen Gedanken und körperlichen Beschwerden weg auf die kreative Tätigkeit gelenkt.
  2. Stressreduktion: Bekanntermaßen senkt kreatives Gestalten den Cortisolspiegel – ein Mechanismus, der bei PMS besonders relevant ist, da Stress die Symptomatik nachweislich verstärkt.
  3. Emotionsregulation: Die strukturierte Tätigkeit bietet einen sicheren Rahmen, um Emotionen non-verbal auszudrücken und zu verarbeiten.
  4. Niederschwelliger Zugang: Anders als Meditation oder Yoga erfordert Mandala-Coloring keine Vorkenntnisse oder körperliche Fitness – es kann von jeder Frau sofort und ohne Anleitung umgesetzt werden.

Einordnung und Einschränkungen

Die Studie weist einige Limitationen auf: Die Stichprobe bestand ausschließlich aus Universitätsstudentinnen (junge, gebildete Population), und die Intervention wurde über einen relativ kurzen Zeitraum durchgeführt. Zudem fehlt ein Follow-up, um die Nachhaltigkeit der Effekte zu beurteilen.

Dennoch ist die Studie ein wichtiger Beitrag zur wachsenden Evidenz für nicht-pharmakologische PMS-Interventionen. Sie reiht sich ein in die Forschung zu Achtsamkeit, kreativen Therapien und Stressmanagement bei prämenstruellen Beschwerden – bietet aber einen besonders niederschwelligen, kostengünstigen und nebenwirkungsfreien Ansatz.

Fazit für die Praxis

Mandala-Coloring ist eine sichere, kostengünstige und einfach umsetzbare Methode, die Frauen mit PMS als komplementäre Selbsthilfe-Strategie ausprobieren können. Ein Mandala-Buch und ein Satz Buntstifte kosten weniger als 15 Euro – und die vorliegende RCT liefert erstmals wissenschaftliche Evidenz, dass sich diese Investition lohnen könnte.

Quelle

Derin E, Şolt Kırca A. The Effect of Mandala Coloring on Premenstrual Syndrome: A Randomized Controlled Experimental Study. Holistic Nursing Practice. 2026 Mar-Apr;40(2):123-130. doi: 10.1097/HNP.0000000000000724. PMID: 41177972.


Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei starken PMS-Beschwerden oder Verdacht auf PMDD wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.