Einleitung: Wenn klassische Therapien an ihre Grenzen stoßen
Prämenstruelle Syndrome (PMS) betrifft Millionen Frauen weltweit und beeinträchtigt erheblich Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und soziale Beziehungen. Die etablierten Behandlungsoptionen reichen von Lifestyle-Änderungen über Nährstoffsupplemente bis hin zu selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs) und Hormontherapien. Doch nicht alle Patientinnen sprechen auf diese Ansätze an – oder leiden unter unerwünschten Nebenwirkungen.
Eine bahnbrechende Pilotstudie aus Brasilien eröffnet nun ein völlig neues Behandlungsfeld: die repetitive Transcranielle Magnetstimulation (rTMS). Diese nicht-invasive Neuromodulationstechnik, die bislang hauptsächlich bei therapieresistenter Depression zum Einsatz kam, könnte auch für PMS-Patientinnen eine vielversprechende Option darstellen.
Studiendesign: Was wurde untersucht?
Die prospektive Pilotstudie wurde von Ramos et al. im renommierten Fachjournal The Journal of ECT (2025) veröffentlicht. Zehn Frauen mit diagnostiziertem PMS wurden über zwei aufeinanderfolgende Menstruationszyklen beobachtet.
Im ersten Zyklus erfolgte lediglich die symtomatische Dokumentation ohne Intervention. Im zweiten Zyklus erhielten die Teilnehmerinnen 10 bis 12 rTMS-Sitzungen während der Lutealphase – jene Phase des Menstruationszyklus, in der PMS-Symptome typischerweise am stärksten ausgeprägt sind.
Die Magnetstimulation wurde gezielt auf den rechten dorsolateralen präfrontalen Cortex (DLPFC) appliziert. Diese Hirnregion spielt eine zentrale Rolle bei der Emotionsregulation, der kognitiven Kontrolle und der Stressverarbeitung – allesamt Funktionsbereiche, die bei PMS beeinträchtigt sind.
Ergebnisse: Signifikante Symptomreduktion
Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Sowohl in der mittleren als auch in der Endbewertung der Lutealphase zeigte sich ein statistisch signifikanter Rückgang depressiver Symptome (P = 0,034 bzw. P < 0,001) und Angstsymptome (P = 0,019 bzw. P = 0,001) im Vergleich zum ersten Zyklus ohne rTMS.
Besonders relevant: Die Verbesserung trat sowohl in der Mitte als auch am Ende der Lutealphase auf – also genau in jenen Zeitfenstern, in denen PMS-Symptome für Betroffene am belastendsten sind.
Die Behandlung wurde überdies gut vertragen: Keine der Teilnehmerinnen berichtete über signifikante Nebenwirkungen. Dies stellt einen klaren Vorteil gegenüber pharmakologischen Therapien dar, bei denen Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, sexuelle Dysfunktion oder gastrointestinale Beschwerden häufig zu Therapieabbrüchen führen.
Wissenschaftliche Einordnung: Warum der DLPFC?
Die Wahl des rechten DLPFC ist neurobiologisch fundiert. Diese Region ist Teil des frontolimbischen Netzwerks, das für die Regulation von Emotionen und Stressreaktionen zuständig ist. Funktionelle Bildgebungsstudien zeigen bei PMS-Patientinnen veränderte Aktivitätsmuster in genau diesen Regionen – insbesondere während der Lutealphase.
Die rTMS moduliert die neuronale Erregbarkeit durch wiederholte, kurze Magnetimpulse. Bei der Anwendung auf den DLPFC wird vermutet, dass sie die Cortisol-Achse beeinflusst und die neuroplastische Anpassungsfähigkeit des Gehirns fördert – ein Mechanismus, der auch bei anderen affektiven Störungen nachgewiesen wurde.
Einschränkungen: Pilotcharakter und offene Fragen
Wie bei jeder Pilotstudie gibt es Einschränkungen, die bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen:
- Kleine Stichprobengröße: Nur zehn Teilnehmerinnen limitieren die statistische Aussagekraft.
- Fehlende Kontrollgruppe: Ohne Placebo- oder Sham-rTMS-Gruppe kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Teile des Effekts auf Placebo-Effekte oder natürliche Symptomfluktuationen zurückzuführen sind.
- Kurze Beobachtungszeit: Zwei Menstruationszyklen geben keinen Aufschluss über Langzeitwirkungen oder Nachhaltigkeit der Therapie.
- Selektive Population: Die Studie erfasste keine verschiedenen PMS-Schweregrade oder komorbide Störungen.
Die Autoren betonen daher explizit, dass kontrollierte Follow-up-Studien erforderlich sind, um die Wirksamkeit der rTMS bei PMS zu verifizieren.
Fazit: Ein neuer Stern am PMS-Therapie-Himmel?
Die vorliegende Pilotstudie von Ramos et al. markiert einen wichtigen ersten Schritt in die Erforschung nicht-pharmakologischer Neuromodulation bei PMS. Die rTMS könnte insbesondere für jene Frauen interessant sein, die auf konventionelle Therapien nicht ausreichend ansprechen oder systemische Nebenwirkungen vermeiden möchten.
Langfristig erhoffen sich Forscher durch große, randomisierte kontrollierte Studien mit Sham-Kontrollgruppen und Langzeitbeobachtungen ein klareres Bild über Wirksamkeit, optimale Stimulationsparameter und Patientinnen-Selektionskriterien.
Für Betroffene ist die rTMS derzeit noch kein Standardverfahren – aber ein vielversprechender Kandidat für die individualisierte PMS-Therapie der Zukunft.
Quelle: Ramos CS, Monteiro DC, Alves da Silva EC, Cantilino A. Repetitive Transcranial Magnetic Stimulation in the Management of Premenstrual Syndrome: A Prospective Pilot Study. The Journal of ECT. 2025. DOI: 10.1097/YCT.0000000000001216. PubMed: PMID 41460163
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder eine Ärztin. Die genannten Studienergebnisse stammen aus einer Pilotstudie mit begrenzter Aussagekraft.