Das prämenstruelle Syndrom (PMS) betrifft schätzungsweise 20–40 % aller Frauen im gebärfähigen Alter so stark, dass ihre Lebensqualität spürbar beeinträchtigt wird. Während viele Betroffene auf konventionelle Medikamente wie SSRI oder hormonelle Präparate zurückgreifen, wächst das Interesse an komplementären und alternativen Therapieansätzen – insbesondere an der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Eine brandneue Network-Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 wirft nun ein bemerkenswertes Licht darauf, welche externen TCM-Therapien bei PMS am wirksamsten sind.

Die Studie: Network-Meta-Analyse externer TCM-Therapien bei PMS

Xie et al. (2026) veröffentlichten im Frontiers in Psychiatry eine systematische Übersichtsarbeit mit Bayesian Network-Meta-Analyse (NMA), die erstmals verschiedene externe TCM-Behandlungsmethoden für PMS direkt miteinander vergleicht. Die Autoren durchsuchten acht internationale Datenbanken – darunter PubMed, EMBASE, Cochrane Library und chinesische Fachdatenbanken – nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) bis März 2025.

Studiendesign auf einen Blick:

  • Studientyp: Systematische Übersicht mit Bayesian Network-Meta-Analyse
  • Eingeschlossene Studien: 21 RCTs
  • Teilnehmerinnen: 1.818 Patientinnen mit PMS
  • Untersuchte Interventionen: Akupunktur (verschiedene Stilrichtungen), Moxibustion, Ohrakupressur, Tuina-Massage, Gua Sha, externe Kräuteranwendungen
  • Primäre Endpunkte: Gesamteffektivitätsrate und Symptom-Schweregrad-Scores
  • Analyse: SUCRA-Werte (Surface Under the Cumulative Ranking Curve) zur Bestimmung der wahrscheinlichsten Rangordnung

Ergebnisse: Welche TCM-Therapie ist die beste?

Die Network-Meta-Analyse lieferte überraschend klare Ergebnisse. In Bezug auf die Gesamteffektivitätsrate – also wie viele Patientinnen eine klinisch relevante Besserung ihrer Symptome erfuhren – schnitt die Jianpi-Shugan-Akupunktur am besten ab:

  • Jianpi-Shugan-Akupunktur: SUCRA = 95,7 % (höchste Wahrscheinlichkeit für den ersten Platz)
  • Ohrakupressur: SUCRA = 71,2 % (beste bei Symptom- und Zeichen-Scores)
  • Kombinierte externe TCM-Therapien zeigten generell bessere Ergebnisse als Monotherapien

Die Jianpi-Shugan-Akupunktur basiert auf dem TCM-Prinzip der „Leber-Qi-Stagnation“ – einem klassischen Muster, das bei PMS-Patientinnen häufig diagnostiziert wird. Durch gezielte Nadelung bestimmter Akupunkturpunkte wird das Qi (Lebensenergie) harmonisiert und die Leber-Funktion reguliert, was zu einer spürbaren Symptomlinderung führt.

Besonders bemerkenswert: Die Ohrakupressur erwies sich als besonders effektiv bei der Reduktion der Symptom-Schweregrad-Scores. Diese nicht-invasive Methode, bei der kleine Kugeln oder Samenkörner auf bestimmte Punkte des Ohres gedrückt werden, bietet eine attraktive Option für Patientinnen, die Nadeln vermeiden möchten.

Was bedeuten diese Ergebnisse für die Praxis?

Die Studie von Xie et al. liefert die bisher robusteste Evidenz für die Wirksamkeit externer TCM-Therapien bei PMS. Die Kombination verschiedener TCM-Methoden – etwa Akupunktur plus Ohrakupressur oder Akupunktur plus Kräuterauflagen – scheint synergistische Effekte zu entfalten, die über die Wirkung einzelner Therapien hinausgehen.

Für Patientinnen bedeutet dies:

  • Mehr Optionen: Neben Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln steht eine evidenzbasierte alternative Therapie zur Verfügung
  • Geringe Nebenwirkungen: Externe TCM-Therapien zeigten in den analysierten Studien kaum Nebenwirkungen
  • Individualisierbar: Die TCM-Diagnostik ermöglicht eine auf das individuelle Beschwerdebild abgestimmte Behandlung

Einschränkungen der Studie

Wie bei jeder Meta-Analyse gibt es auch hier Limitationen, die berücksichtigt werden müssen:

  • Risiko von Bias: Sechs der 21 eingeschlossenen Studien zeigten ein erhöhtes Risiko aufgrund unzureichender Randomisierungsberichterstattung
  • Selektive Berichterstattung: Viele Studien lieferten unzureichende Details zur selektiven Berichterstattung, was die Bewertung erschwerte
  • Heterogenität: Die eingeschlossenen Studien verwendeten unterschiedliche TCM-Diagnosen und Behandlungsprotokolle, was die direkte Vergleichbarkeit einschränkt
  • Kultureller Kontext: Die meisten Studien stammten aus China, was die Übertragbarkeit auf westliche Patientinnen erfordert weitere Forschung

Die Autoren betonen ausdrücklich, dass weitere hochwertige RCTs mit standardisierten Protokollen notwendig sind, um die Ergebnisse zu bestätigen und klinische Leitlinien zu informieren.

Fazit

Die Network-Meta-Analyse von Xie et al. (2026) markiert einen wichtigen Meilenstein in der Erforschung komplementärer Therapien für PMS. Die Ergebnisse zeigen, dass externe TCM-Behandlungsmethoden – insbesondere Jianpi-Shugan-Akupunktur und Ohrakupressur – eine wirksame und nebenwirkungsarme Ergänzung oder Alternative zu konventionellen Behandlungsansätzen darstellen können.

Für Frauen, die unter prämenstruellen Beschwerden leiden und nach natürlichen, ganzheitlichen Therapieoptionen suchen, eröffnet diese Studie eine vielversprechende Perspektive. Die Kombination verschiedener TCM-Methoden scheint dabei den größten Benefit zu bieten – ein Ansatz, der die ganzheitliche Philosophie der Traditionellen Chinesischen Medizin widerspiegelt.

Quelle

Xie Y, Zhao J, Fan S, Yang N, Liu H, Guo Y, Feng X, Wang Z, Zhang M, Wang F. Efficacy comparison of different external traditional Chinese medicine therapies as monotherapy or in combination for premenstrual syndrome: a systematic review and network meta-analysis. Front Psychiatry. 2026 Feb 4;17:1720232. doi: 10.3389/fpsyt.2026.1720232. PMID: 41717558. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41717558/

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Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Inhalte wurden sorgfältig recherchiert, jedoch können wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernehmen. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder eine Ärztin. Die hier genannten Therapieansätze sollten nur in Absprache mit einem qualifizierten Gesundheitsdienstleister eingesetzt werden.