Calcium und Vitamin D bei schwerem PMS: Neue RCT-Studie zeigt 76,9 % Symptomreduktion

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) betrifft Millionen von Frauen weltweit – doch nicht jede möchte auf hormonelle Therapien zurückgreifen. Eine aktuelle randomisierte kontrollierte Studie liefert nun erstaunliche Ergebnisse: Calcium in Kombination mit Vitamin D reduziert schwere PMS-Symptome bei über drei Vierteln der Teilnehmerinnen um mindestens 50 % – und das besser als Placebo, Verhaltenstherapie oder Lifestyle-Interventionen allein.

Die Studie: Design und Methodik

Die Forschergruppe um Dr. Lata K. Mankani und Dr. Santosh S. Ankalagi führte eine 12-monatige, multiarme, parallelgruppen-randomisierte, placebokontrollierte Studie durch, die im Journal of Neonatal Surgery (2024/2025) veröffentlicht wurde.

Studiendesign im Überblick:

  • Teilnehmerinnen: 120 Frauen im Alter von 18–45 Jahren mit schwerem PMS
  • Studiendauer: 12 Monate, Ergebnisse nach 3 Monaten plus 6-monatiges Follow-up
  • Interventionsgruppen:
    • Calcium (600 mg) + Vitamin D (400 IU) 2× täglich
    • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT, 8 wöchentliche Sitzungen)
    • Kombinierte Lifestyle-Intervention (strukturiertes Training, Ernährungsberatung, Stressmanagement)
    • Placebo-Gruppe
  • Primärer Endpunkt: Reduktion des Daily Record of Severity of Problems (DRSP)-Scores nach 3 Monaten
  • Sekundäre Endpunkte: Anteil mit ≥50 % Symptomreduktion, domänenspezifische Verbesserungen, Lebensqualität

Die Ergebnisse: Calcium + Vitamin D führt das Feld an

Die Ergebnisse waren eindeutig und überraschend:

Intervention DRSP-Reduktion ≥50 % Symptomreduktion
Calcium + Vitamin D 63,7 ± 7,2 Punkte 76,9 %
CBT 58,2 ± 6,9 Punkte 69,2 %
Lifestyle-Intervention 49,6 ± 7,4 Punkte 57,7 %
Placebo 14,9 ± 5,8 Punkte 15,4 %

Alle Interventionsgruppen signifikant vs. Placebo (p < 0,001)

Domänenspezifische Wirkungen: Wo Calcium + Vitamin D besonders punkten

Die Analyse einzelner Symptombereiche zeigte interessante Unterschiede zwischen den Therapieansätzen:

  • Calcium + Vitamin D: Am effektivsten für körperliche Symptome (71,2 % Reduktion) – Brustspannen, Wassereinlagerungen, Unterleibsschmerzen, Müdigkeit
  • CBT: Am effektivsten für psychische Symptome (74,8 % Reduktion) – Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Angstzustände
  • Lifestyle-Intervention: Ausgewogene Wirkung über alle Domänen hinweg

Die Behandlungseffekte hielten über das 6-monatige Follow-up stabil an – ein wichtiger Indikator für nachhaltige Wirksamkeit.

Warum Calcium und Vitamin D? Die biologische Erklärung

Der Zusammenhang zwischen Calcium und PMS ist biologisch plausibel:

  • Zyklische Calcium-Fluktuationen: In der Lutealphase sinkt der Serotonin-Spiegel parallel zu verändertem Calcium-Stoffwechsel
  • Neurotransmitter-Regulation: Calcium beeinflusst die Freisetzung von Serotonin und Dopamin – beiden Schlüsselneurotransmittern für Stimmung und Wohlbefinden
  • Muskelfunktion: Calcium ist essenziell für die Regulation glatter Muskeln, inklusive der Uterusmuskulatur
  • Vitamin D als Co-Faktor: Vitamin D verbessert die Calcium-Absorption und hat eigene antiinflammatorische sowie neuroprotektive Eigenschaften

Frühere Studien – darunter eine Doppelblindstudie aus dem Iran (2017) und eine Meta-Analyse des calciumreichen Lebensstils – hatten bereits auf die PMS-senkende Wirkung hingewiesen. Die Mankani-Studie bestätigt diese Erkenntnisse nun in einer direkten Vergleichsuntersuchung mit anderen evidenzbasierten Therapien.

Einschränkungen und Kritik

Wie bei jeder Studie gibt es Limitationen:

  • Einzelzentrum: Die Studie wurde an einem einzelnen Zentrum durchgeführt – die Generalisierbarkeit könnte eingeschränkt sein
  • Kurze Interventionsphase: Die primäre Analyse nach 3 Monaten ist relativ kurz, auch wenn das 6-monatige Follow-up Hoffnung auf Dauerhaftigkeit macht
  • Keine direkte Vergleichsgruppe Calcium vs. Vitamin D einzeln: Es bleibt unklar, ob die Kombination notwendig ist oder eines der beiden Mittel allein ausreicht
  • Selektionsbias: Frauen mit schwerem PMS wurden rekrutiert – die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf mildere Formen übertragen

Praktische Implikationen: Was bedeutet das für Betroffene?

Für Frauen mit schwerem PMS, die keine hormonelle Therapie wünschen oder diese nicht vertragen, eröffnet die Studie eine neue evidenzbasierte Option:

  • Dosierung: 600 mg Calcium + 400 IU Vitamin D, zweimal täglich (insgesamt 1200 mg Calcium + 800 IU Vitamin D pro Tag)
  • Sicherheit: Calcium und Vitamin D gelten als sehr gut verträglich mit nur seltenen Nebenwirkungen (Verstopfung, Übelkeit bei hohen Dosen)
  • Kosten: Im Vergleich zu verschreibungspflichtigen Medikamenten oder langfristiger Psychotherapie deutlich günstiger
  • Kombination mit anderen Ansätzen: Bei überwiegend psychischen Symptomen könnte die Ergänzung durch CBT sinnvoll sein

Fazit: Ein neuer Standard für nicht-hormonelle PMS-Therapie?

Die Studie von Mankani und Ankalagi (2024/2025) liefert die bisher robusteste Evidenz für Calcium + Vitamin D als nicht-hormonelle PMS-Therapie. Mit einer 76,9 %-igen Symptomreduktionsrate übertrifft die Kombination sogar etablierte Alternativen wie kognitive Verhaltenstherapie.

Für die vielen Frauen, die monatlich unter schweren PMS-Symptomen leiden und nach natürlichen Alternativen suchen, könnte diese einfache, gut verträgliche und kostengünstige Supplementierung einen echten Unterschied machen.

Weitere Forschung sollte klären, ob Calcium oder Vitamin D allein ähnlich wirksam sind und wie sich die Behandlung bei milderen PMS-Formen verhält.


Quellen

  • Mankani LK, Ankalagi SS. Efficacy of Non-Hormonal Treatments for Managing Severe Premenstrual Syndrome: A Randomized Controlled Trial. J Neonatal Surg. 2024;13:567-78. [Volltext]
  • Shobeiri F, Araste FE, Ebrahimi R, Jenabi E, Nazari M. Effect of calcium on premenstrual syndrome: A double-blind randomized clinical trial. J Caring Sci. 2017;6(1):19-28. [PubMed]
  • Bertone-Johnson ER, Hankinson SE, Bendich A, et al. Calcium and vitamin D intake and risk of incident premenstrual syndrome. Arch Intern Med. 2005;165(11):1246-1252. [PubMed]
  • Thys-Jacobs S, McMahon D, Bilezikian JP. Cyclical changes in calcium metabolism across the menstrual cycle in women with premenstrual dysphoric disorder. J Clin Endocrinol Metab. 2007;92(8):2952-2959.

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