PMS und PMDD betreffen Millionen von Frauen weltweit – doch nicht jede möchte auf Medikamente setzen. Eine aktuelle randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2025 untersucht erstmals die Wirksamkeit eines natürlichen Multikomponenten-Supplements namens PMSoff bei Frauen mit prämenstruellem Syndrom und prämenstrueller dysphorischer Störung. Die Ergebnisse sind vielversprechend.
Einleitung: Die Suche nach natürlichen Alternativen
Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist eine der häufigsten gesundheitlichen Beschwerden im reproduktiven Alter. Schätzungen zufolge leiden bis zu 98 % der Frauen in bestimmten Regionen unter PMS-Symptomen. Die etablierten pharmakologischen Behandlungen – von NSAR über hormonelle Präparate bis hin zu SSRIs – sind zwar wirksam, haben jedoch oft erhebliche Nebenwirkungen. Dies treibt viele Betroffene in Richtung natürlicher Alternativen.
Doch was, wenn ein einzelnes Supplement mehrere wirksame Pflanzenextrakte, Vitamine und Mineralstoffe in einer Kapsel vereint? Genau diesen Ansatz verfolgt PMSoff – und eine iranische Forschergruppe hat es nun erstmals klinisch getestet.
Studiendesign: Goldstandard mit 218 Teilnehmerinnen
Die Studie von Saghafi et al. (2025), veröffentlicht im Journal of Pharmaceutical Health Care and Sciences, wurde als randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Studie (RCT) durchgeführt – dem höchsten Standard der klinischen Forschung.
- Teilnehmerinnen: 218 Frauen im Alter von 14 bis 30 Jahren mit diagnostiziertem PMS
- Studiendauer: 3 Menstruationszyklen (etwa 3 Monate)
- Design: Einfache Randomisierung, doppelblind, parallel
- Einschluss: PMS-Diagnose per PSST-Fragebogen, regelmäßige Zyklen
- Ausschluss: Chronische Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit, psychische Störungen
Die Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt:
- Interventionsgruppe (n=112): PMSoff-Supplement, 2× täglich, 7 Tage vor bis 3 Tage nach der Menstruation
- Kontrollgruppe (n=106): Identisches Placebo
Was steckt in PMSoff?
PMSoff ist ein Multikomponenten-Supplement, das folgende Inhaltsstoffe pro Kapsel enthält:
- Lavendel-Extrakt (50 mg) – beruhigend, schlaffördernd
- Spirulina-Extrakt (40 mg) – antiinflammatorisch, antioxidativ
- Safran-Extrakt (13 mg) – stimmungsaufhellend, antidepressiv
- Curcumin (10 mg) – entzündungshemmend
- Kamillen-Extrakt (25 mg) – anxiolytisch, krampflösend
- Rosen-Extrakt (100 mg) – stimmungsstabilisierend
- Baldrian-Extrakt (40 mg) – schlaffördernd
- Seidelbast-Extrakt (90 mg) – traditionell bei Menstruationsbeschwerden
- Calciumcitrat (50 mg) – Muskel- und Nervenfunktion
- Vitamin B1 (56 mg) – Energiestoffwechsel, Nervensystem
Diese Kombination adressiert gleichzeitig mehrere PMS-relevante Mechanismen: Entzündungshemmung, Serotonin-Modulation, Stressreduktion und hormonelle Balance.
Ergebnisse: Signifikante Symptomlinderung
Die primären Endpunkte wurden mit dem Daily Record of Severity of Problems (DRSP) – einem validierten Fragebogen mit fünf Domänen (Angst, Depression, emotionale Symptome, körperliche Symptome, Wassereinlagerungen) – erfasst.
Gesamt-PMS-Symptomatik
Vor der Intervention zeigten beide Gruppen vergleichbare Symptomstärken (Intervention: 43,3 ± 19,0; Kontrolle: 37,9 ± 23,1 Punkte; p=0,06). Nach der Behandlung ergab sich ein klares Bild:
- Nach 1 Monat: Interventionsgruppe 26,2 ± 17,3 vs. Kontrolle 30,8 ± 15,8 (p=0,043)
- Nach 2 Monaten: Interventionsgruppe 21,0 ± 18,4 vs. Kontrolle 28,6 ± 13,9 (p=0,001)
Die ANCOVA-Analyse – adjustiert für Baseline-Werte – bestätigte die signifikante Überlegenheit des Supplements (p=0,001).
PMDD-Symptome
Besonders bemerkenswert: Bei den Teilnehmerinnen mit diagnostizierter PMDD – der schwerwiegenden Form des PMS – zeigte sich erst nach zwei Monaten eine signifikante Verbesserung (p=0,04). Die Autoren vermuten, dass bei schwereren Symptomen eine längere Einnahmedauer nötig ist, um die volle Wirkung zu entfalten.
Sicherheit und Verträglichkeit
Keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse wurden berichtet. Die Adhärenz lag bei 72 % in beiden Gruppen. Gelegentlich traten leichte gastrointestinale Beschwerden auf (Übelkeit, Blähungen, Sodbrennen) – allesamt vorübergehend und ohne Studienabbruch.
Interpretation: Warum wirkt PMSoff?
Die Autoren führen die Wirkung auf einen synergistischen Effekt der Multikomponenten-Formulierung zurück. Im Gegensatz zu Einzelstudien mit nur einem Wirkstoff (z. B. reines Magnesium oder Vitamin B6 allein) greift PMSoff mehrere pathophysiologische Pfade gleichzeitig an:
- Antiinflammatorische Wirkung: Spirulina, Curcumin und Safran senken proinflammatorische Zytokine.
- Serotonin-Modulation: Safran und Vitamin B1 beeinflussen die Serotonin-Synthese positiv.
- Stressreduktion: Lavendel, Baldrian und Kamille modulieren die HPA-Achse.
- Muskelentspannung: Calcium und Magnesium (über die Spirulina-Spuren) unterstützen die Entspannung uteriner Muskeln.
Dieses „Multi-Target“-Konzept könnte erklären, warum das Supplement auch bei PMDD – wo die Symptomatik komplexer und schwerer ist – nach längerer Einnahme wirksam wird.
Einschränkungen der Studie
Trotz des strengen Studiendesigns nennen die Autoren wichtige Limitationen:
- Altersspanne: Ausschließlich 14–30-Jährige; Generalisierbarkeit auf ältere Frauen unklar
- Geografische Begrenzung: Durchführung ausschließlich in Iran
- Sampling: Nicht-wahrscheinlichkeitsbasierte Rekrutierung (Snowball/Convenience), was die Repräsentativität einschränken könnte
- Keine Langzeitdaten: Follow-up beschränkt sich auf 2 Monate; Rebound-Effekte nach Absetzen unbekannt
- Keine mechanistischen Daten: Biochemische Marker (Zytokine, Hormone, Neurotransmitter) wurden nicht gemessen
Fazit für die Praxis
Die RCT-Studie von Saghafi et al. (2025) liefert erstmalige robuste Evidenz dafür, dass das natürliche Multikomponenten-Supplement PMSoff PMS-Symptome signifikant lindern kann – mit einer kumulativ zunehmenden Wirkung über zwei Monate. Besonders bei PMDD zeigt sich nach längerer Einnahme ein signifikanter Benefit.
Für betroffene Frauen bedeutet dies: Ein gezielt zusammengestelltes Natur-Supplement könnte eine sichere, nebenwirkungsarme Ergänzung oder Alternative zu konventionellen Medikamenten darstellen. Die optimale Einnahmedauer scheint mindestens zwei Menstruationszyklen zu betragen.
Wichtig: Die Studie untersuchte ein spezifisches, standardisiertes Produkt. Selbstgemischte Kombinationen aus Einzelpräparaten können andere Dosierungen und Wirkprofile haben. Bei schweren Symptomen oder PMDD ist weiterhin die Konsultation einer Ärztin oder eines Arztes ratsam.
Quellenangabe
Primärquelle: Saghafi F, Zare P, Hatamizadeh N, Malmir M, Sahebnasagh A. Natural relief for premenstrual syndrome (PMS): a double-blind clinical trial on the efficacy and safety of PMSoff. J Pharm Health Care Sci. 2025;11:88. doi: 10.1186/s40780-025-00495-6
PubMed: PMID: 41121435 | Volltext (Open Access)
Trial Registration: IRCT20190810044500N30 (Iranian Registry of Clinical Trials)
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bitte besprechen Sie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer mit Ihrer ärztlichen Fachperson. Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung verwendet werden.