Eine aktuelle randomisierte, doppelblinde klinische Studie aus dem Jahr 2024 liefert vielversprechende Ergebnisse für Frauen mit PMS und nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel: Die Einnahme von hochdosiertem Vitamin D (50.000 IU alle zwei Wochen) führte zu einer signifikanten Verbesserung der PMS-Symptome – insbesondere bei depressiven Verstimmungen.

Vitamin D Supplementierung bei PMS – neue Studie 2024

Studiendesign und Methoden

Die Studie von Heidari et al. wurde im Februar 2024 im Fachjournal Clinical Nutrition ESPEN veröffentlicht. 44 Frauen mit diagnostiziertem PMS und nachgewiesener Vitamin-D-Insuffizienz (Serum-25(OH)D-Werte unter 30 ng/ml) nahmen an der 16-wöchigen Untersuchung teil.

Die Teilnehmerinnen wurden randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt:

  • Interventionsgruppe: 50.000 IU Vitamin D alle zwei Wochen
  • Placebogruppe: Placebo alle zwei Wochen

Die PMS-Symptome wurden mit dem validierten Daily Symptoms Rating-Formular erfasst. Zusätzlich wurden zu Beginn und am Ende der Studie die Serum-Vitamin-D-Spiegel gemessen.

Die Ergebnisse im Detail

Die Studienergebnisse zeigen eine deutliche Überlegenheit der Vitamin-D-Supplementierung:

Vitamin-D-Spiegel

  • Vitamin-D-Gruppe: Anstieg von 21 ± 8 ng/ml auf 40 ± 8 ng/ml (p < 0,001)
  • Placebogruppe: Minimaler Anstieg von 21 ± 7 ng/ml auf 23 ± 7 ng/ml (p = 0,03)

Nur die Interventionsgruppe erreichte ausreichende Vitamin-D-Serumspiegel (≥ 30 ng/ml).

PMS-Symptomverbesserung nach Symptomgruppen

Alle fünf PMS-Symptom-Subgruppen zeigten Verbesserungen, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß:

  • Depressive Symptome: 53% Reduktion (stärkste Verbesserung)
  • Angst/Anspannung: Signifikante Verbesserung
  • Körperliche Schmerzen: Moderate Verbesserung
  • Wassereinlagerungen: 28% Reduktion (geringste Verbesserung)

Die Gesamt-PMS-Symptom-Scores verbesserten sich in der Vitamin-D-Gruppe signifikant stärker als in der Placebogruppe (p < 0,001).

Interpretation der Ergebnisse

Besonders bemerkenswert ist die starke Wirkung auf psychische Symptome. Depressive Verstimmungen sprachen am besten auf die Vitamin-D-Supplementierung an – mit einer mehr als 50-prozentigen Reduktion der Symptomstärke.

Dies bestätigt frühere Forschungsergebnisse, die Vitamin D als wichtigen Modulator der Neurotransmitter-Funktion identifiziert haben. Vitamin D beeinflusst die Synthese von Serotonin und Dopamin – beides Botenstoffe, die bei der Regulation von Stimmung und Emotionen eine zentrale Rolle spielen.

Die geringere Wirkung auf Wassereinlagerungen ist plausibel, da diese Symptome stärker durch hormonelle Flüssigkeitsretention als durch neurochemische Prozesse bedingt sind.

Warum Hochdosis statt Standarddosierung?

Die verwendete Dosierung von 50.000 IU alle zwei Wochen entspricht einer wöchentlichen Dosis von 25.000 IU – deutlich höher als die allgemein empfohlene Tagesdosis von 800-2.000 IU.

Bei nachgewiesener Vitamin-D-Insuffizienz ist eine solche Hochdosis-Therapie jedoch medizinisch etabliert, um die Speicher innerhalb weniger Wochen aufzufüllen. Die Studie zeigt, dass gerade bei PMS-Patientinnen mit bestehendem Mangel eine aggressive Supplementierung notwendig sein kann, um therapeutische Effekte zu erzielen.

Einschränkungen der Studie

Wie bei allen klinischen Studien gibt es Einschränkungen zu beachten:

  • Kleine Stichprobe: Nur 44 Teilnehmerinnen schlossen die Studie ab
  • Begrenzte Dauer: 16 Wochen ermöglichen keine Aussagen zu Langzeiteffekten
  • Spezifische Population: Nur Frauen mit nachgewiesener Vitamin-D-Insuffizienz – Ergebnisse sind nicht auf Frauen mit normalen Vitamin-D-Spiegeln übertragbar
  • Regionale Begrenzung: Die Studie wurde in Iran durchgeführt; genetische und ernährungsbedingte Faktoren können die Übertragbarkeit beeinflussen

Praktische Empfehlungen für betroffene Frauen

Die Studie liefert mehrere wichtige Erkenntnisse für die Praxis:

1. Vitamin-D-Status prüfen lassen: Bevor hochdosierte Supplemente eingenommen werden, sollte der Serum-25(OH)D-Wert bestimmt werden. Eine Supplementierung ohne nachgewiesenen Mangel zeigt möglicherweise keine vergleichbaren Effekte.

2. Besonders bei psychischen PMS-Symptomen vielversprechend: Frauen mit starken depressiven Verstimmungen, Stimmungsschwankungen oder Angstzuständen in der Lutealphase könnten besonders von einer Vitamin-D-Supplementierung profitieren.

3. Ausreichende Dauer einplanen: Die signifikanten Effekte zeigten sich erst nach mehreren Monaten. Eine konsequente Einnahme über mindestens 16 Wochen ist erforderlich.

4. Medizinische Begleitung: Hochdosierte Vitamin-D-Präparate sollten idealerweise unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, insbesondere bei längerfristiger Anwendung.

Fazit

Die randomisierte, placebokontrollierte Studie von Heidari et al. (2024) liefert robuste Evidenz dafür, dass hochdosierte Vitamin-D-Supplementierung bei Frauen mit PMS und nachgewiesener Vitamin-D-Insuffizienz zu einer signifikanten Symptomverbesserung führt. Besonders psychische Symptome wie depressive Verstimmungen sprachen gut auf die Behandlung an.

Für betroffene Frauen bedeutet dies: Ein Vitamin-D-Test kann sich lohnen – insbesondere bei schweren PMS-Beschwerden mit starker psychischer Komponente. Bei nachgewiesenem Mangel ist eine hochdosierte Supplementierung eine sichere und effektive Option.


Quellenangabe

Studien-Citation:
Heidari H, Abbasi K, Feizi A, Kohan S, Amani R. Effect of vitamin D supplementation on symptoms severity in vitamin D insufficient women with premenstrual syndrome: A randomized controlled trial. Clin Nutr ESPEN. 2024 Feb;59:241-248. doi: 10.1016/j.clnesp.2023.11.014

Originalquelle:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38225063/

Trial Registration:
IRCT20180525039822N1 (Iranian Registry of Clinical Trials)

Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte medizinische Fachperson. Hochdosierte Vitamin-D-Präparate sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.