Ashwagandha – ein ayurvedisches Adaptogen – gewinnt in der westlichen Forschung zunehmend an Bedeutung als natürliche Unterstützung bei prämenstruellen Beschwerden. Eine brandneue Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 sowie eine randomisierte Doppelblindstudie liefern nun erste belastbare Erkenntnisse, wie dieses altbewährte Kraut Hormone und Stressreaktivität beeinflussen kann.
## Was ist Ashwagandha?
Ashwagandha (*Withania somnifera*), auch als „indischer Ginseng“ oder „Schlafbeere“ bekannt, ist eine Pflanze, die seit Jahrtausenden in der ayurvedischen Medizin verwendet wird. Sie zählt zu den sogenannten Adaptogenen – natürlichen Substanzen, die dem Körper helfen, Stress besser zu adaptieren und das Nervensystem zu regulieren. Die wichtigsten Wirkstoffe sind die Withanolide, die entzündungshemmende, neuroprotektive und hormonmodulierende Eigenschaften besitzen.
## Die Meta-Analyse: Hormonelle Effekte unter der Lupe
Die 2026 in der Fachzeitschrift *Planta Medica* veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von Fornalik et al. (PMID: 41740946) wertete 23 randomisierte, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 1.706 Teilnehmern aus. Die zentralen Ergebnisse im Überblick:
– **Cortisol-Reduktion**: Ashwagandha senkte das Stresshormon Cortisol signifikant (SMD = −1,18; p < 0,04). Gerade bei PMS und PMDD spielt eine überaktive HPA-Achse eine wichtige Rolle – ein persistenter Cortisol-Anstieg kann Reizbarkeit, Angst und Schlafstörungen in der prämenstruellen Phase verstärken. - **Serotonin-Anstieg**: Die Meta-Analyse zeigte einen signifikanten Anstieg des Serotoninspiegels um durchschnittlich 31,75 ng/ml (p < 0,01). Serotonin-Mangel gilt als einer der zentralen neurobiologischen Faktoren bei PMDD und schwerem PMS. - **Kein Testosteron-Anstieg bei Frauen**: Wichtig für die Zielgruppe: Während Männer einen signifikanten Anstieg des Testosteronspiegels zeigten (MD = 57,43 ng/dl), blieb der Effekt bei Frauen ausgeblieben (MD = 5,09 ng/dl). Das unterstreicht die geschlechtsspezifische Sicherheit des Präparats. - **Kein Einfluss auf Östrogen**: Die Meta-Analyse fand keinen signifikanten Effekt auf Estradiol (E2)-Spiegel – das spricht dafür, dass Ashwagandha nicht direkt über östrogene Mechanismen wirkt, sondern eher über die HPA-Achse und das zentrale Nervensystem. ## Die RCT-Studie: Ashwagandha bei Stress und Angst Ergänzend dazu veröffentlichte West et al. 2026 im *Journal of Medical Life* eine randomisierte, dreifach verblindete Studie (PMID: 41815853) mit 141 gesunden Erwachsenen (18–65 Jahre), die unter moderatem Stress und Angst litten. Die Teilnehmer erhielten über acht Wochen entweder ein patentiertes Ashwagandha-Wurzelextrakt (300 mg zweimal täglich), ein Standard-Extrakt oder Placebo. Die Ergebnisse: - Signifikante Cortisol-Senkung in allen Gruppen, aber die patentierte Ashwagandha-Formulierung zeigte deutliche Vorteile gegenüber Placebo und Standard-Extrakt. - Verbesserung der „Perceived Stress Scale" (PSS), der Hamilton Anxiety Rating Scale (HAM-A) und des „Profile of Mood States" (POMS) – besonders in den Bereichen Anspannung, Depressivität und Wut (jeweils p < 0,0001). - Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen, was die gute Verträglichkeit bestätigt. ## Übertragung auf PMS und PMDD Während beide Studien nicht ausschließlich an PMS- oder PMDD-Patientinnen durchgeführt wurden, sind die Rückschlüsse für die Zielgruppe hochrelevant: 1. **HPA-Achsen-Modulation**: Chronischer Stress und eine dysregulierte Cortisol-Achse verschlechtern PMS-Symptome. Die Cortisol-Senkung durch Ashwagandha könnte diesen Teufelskreis durchbrechen. 2. **Serotoninerges System**: Der nachgewiesene Serotonin-Anstieg spricht für eine mögliche antidepressiv-ähnliche Wirkung ohne die Nebenwirkungen klassischer SSRI. 3. **GABAerger Mechanismus**: Preklinische Daten deuten darauf hin, dass Ashwagandha die GABA-Signalübertragung verstärkt – ähnlich wie Benzodiazepine, aber ohne deren Abhängigkeitsrisiko. Das erklärt die anxiolytischen (angstlösenden) Effekte. ## Einschränkungen und Forschungsbedarf Die Autoren beider Arbeiten betonen ausdrücklich: - Die Evidenz zu Ashwagandha bei PMS spezifisch basiert noch überwiegend auf präklinischen Modellen und Übertragungen aus anderen Indikationen. - Es fehlen große, randomisierte Studien, die ausschließlich an PMS- oder PMDD-Patientinnen durchgeführt wurden. - Dosis-Wirkungs-Beziehungen sind noch nicht abschließend geklärt; die Studien verwendeten Extrakte mit unterschiedlichen Withanolide-Gehalten. - Langzeitdaten über mehrere Monate liegen noch nicht vor. ## Fazit Ashwagandha stellt ein vielversprechendes Adaptogen dar mit nachgewiesenen Effekten auf Cortisol, Serotonin und Stressresilienz. Für Frauen mit PMS oder PMDD, die nach natürlichen Unterstützungsmöglichkeiten suchen, könnte es eine sinnvolle Ergänzung sein – insbesondere bei stress-assoziierten Symptomen wie Reizbarkeit, Angst und Schlafstörungen. Die aktuelle Datenlage ist ermutigend, aber es bedarf weiterer hochwertiger Studien mit standardisierten Extrakten, um definitive therapeutische Empfehlungen abzuleiten. --- **Quellen:** 1. Fornalik M et al. *Hormonal Modulation with Withania somnifera: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized-controlled Trials.* Planta Med. 2026 Feb 25. doi: 10.1055/a-2802-8363. PMID: [41740946](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41740946) 2. West RE et al. *A proprietary herbal extract of ashwagandha root for stress and anxiety in healthy adults: a randomized, double-blind, three-arm, placebo-controlled efficacy and safety study.* J Med Life. 2026 Jan;19(1):49-62. doi: 10.25122/jml-2025-0172. PMID: [41815853](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41815853) 3. Namysł M et al. *Withania somnifera in Women's Hormonal Modulation: A Narrative Review With Implications for Polycystic Ovary Syndrome and Premenstrual Syndrome.* Cureus. 2026 Jan 13;18(1):e101431. doi: 10.7759/cureus.101431. PMID: [41694897](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41694897) **Haftungsausschluss:** Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei schweren PMS- oder PMDD-Symptomen sollten Sie einen Arzt oder eine Ärztin konsultieren. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorab mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder gleichzeitiger Medikation.