Prämenstruelle Beschwerden lassen sich nicht nur mit Vitaminen und Mineralstoffen bekämpfen. Eine aktuelle japanische Studie untersucht erstmals systematisch, ob ein spezifisches Milchprotein – Alpha-Lactalbumin (aLA) – die Lebensqualität in der Lutealphase verbessert. Das Ergebnis ist überraschend vielschichtig.

Die Herausforderung: Jede zweite Frau ist betroffen

Prämenstruelles Syndrom (PMS) und prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD) beeinträchtigen bis zu 80 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter. Neben körperlichen Symptomen wie Schwellungen, Krämpfen und Müdigkeit fallen vor allem psychische Belastungen ins Gewicht: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und soziale Rueckzugstendenzen sind häufig. Die Suche nach sicheren, gut verträglichen Interventionen ist daher unvermindert aktuell.

Alpha-Lactalbumin, ein Hauptbestandteil der Molkeproteine in der Milch, hat sich in vorangegangenen Kurzzeitstudien als vielversprechend erwiesen. Doch fehlte bislang der Nachweis, ob eine Langzeitgabe über mehrere Zyklen tatsächlich wirkt.

Studiendesign: Drei Zyklen unter strenger Kontrolle

Die Forscher um Ito, Yamazaki und Natori führten eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie (RCT) durch. An der Untersuchung nahmen 140 gesunde japanische Frauen im Alter von 20 bis 39 Jahren teil. Die Probandinnen wurden per Zufall zwei Gruppen zugeteilt:

  • Interventionsgruppe: 900 mg Alpha-Lactalbumin täglich über drei aufeinanderfolgende Menstruationszyklen
  • Plazebo-Gruppe: Identisch wirkende Kontrollsubstanz ohne aLA

Primärer Endpunkt war die Veränderung der Symptomstärke gemessen am Menstrual Distress Questionnaire (MDQ). Als sekundäre Endpunkte dienten der 36-Item Short Form Health Survey (SF-36), visuelle Analogskalen (VAS) sowie die Bestimmung von Prostaglandinen im Urin.

Ergebnisse: Kein Gesamteffekt, aber gezielte Vorteile

Der primäre Endpunkt fiel enttäuschend aus: Die Gesamtwerte des MDQ unterschieden sich nicht signifikant zwischen aLA- und Plazebo-Gruppe – weder prämenstruell noch während der Menstruation. Auch die sechs MDQ-Faktoren zeigten keine Gruppenunterschiede.

Doch in den explorativen Analysen – also den sekundären Endpunkten – zeichnete sich ein differenziertes Bild ab:

  • Signifikante Verbesserung des MDQ-Subscores Gewichtszunahme (p < 0,05)
  • Signifikante Verbesserung des MDQ-Subscores Verminderte motorische Koordination (p < 0,05)
  • Verbesserte Lebensqualität im SF-36: Die aLA-Gruppe zeigte signifikant bessere Werte in den Bereichen Rollenfunktion und soziale Lebensqualität (p < 0,05)

Prostaglandin-Spiegel und weitere physische Parameter zeigten hingegen keine signifikanten Unterschiede. Die Substanz war gut verträglich; schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Wissenschaftliche Interpretation: Warum fehlte der Gesamteffekt?

Die Forscher diskutieren mehrere mögliche Gründe für das Ausbleiben des primären Endpunkts. Zum einen könnte die Dosierung von 900 mg/Tag für eine breite Symptomlinderung zu niedrig gewesen sein. Zum anderen zeigt der MDQ als Summenscore nur begrenzte Sensitivität für spezifische Symptomcluster – einzelne Verbesserungen gehen im Gesamtwert unter.

Besonders interessant ist der Befund zur sozialen Lebensqualität. Hier könnte aLA über einen biochemischen Mechanismus wirken: Alpha-Lactalbumin ist reich an Tryptophan, einem Vorläufer des Neurotransmitters Serotonin. Eine modulierte Serotonin-Aktivität in der prämenstruellen Phase könnte die beobachteten Verbesserungen in der sozialen Funktionsfähigkeit erklären.

Einschränkungen

Wie bei jeder Studie gilt es, die Limitationen transparent zu benennen:

  • Finanzierung: Die Studie wurde von Meiji Co., Ltd. finanziert, einem japanischen Lebensmittelkonzern. Die Autoren waren Angestellte des Unternehmens – ein potenzielles Interessenkonflikt.
  • Exploratorische Endpunkte: Die positiven Ergebnisse sind sekundäre, nicht primäre Endpunkte. Sie erfordern Bestätigung durch unabhängige Studien.
  • Homogene Population: Alle Teilnehmerinnen waren gesunde japanische Frauen im Alter von 20–39 Jahren. Die Übertragbarkeit auf andere ethnische Gruppen, Altersstufen oder Frauen mit diagnostiziertem PMDD ist unklar.
  • Keine Dosis-Eskalation: Es wurde nur eine einzige Dosis getestet. Ob höhere Dosierungen stärkere Effekte zeigen, bleibt offen.

Fazit: Ein Baustein, kein Wundermittel

Alpha-Lactalbumin ist kein Allheilmittel gegen PMS. Die Daten zeigen jedoch, dass die Langzeiteinnahme eines spezifischen Molkenproteins über drei Menstruationszyklen die soziale Lebensqualität und spezifische Symptome wie Gewichtszunahme und motorische Koordination verbessern kann. Für Frauen, die gezielt nach natürlichen Ernährungsstrategien suchen, ist aLA ein interessanter Baustein – als Ergänzung zu bewährten Maßnahmen wie ausreichend Schlaf, regelmässiger Bewegung und stressreduzierenden Techniken.

Ob aLA seinen Platz in der PMS-Prävention behaupten wird, hängt von unabhängigen Replikationsstudien ab. Bis dahin bleibt die Evidenz vorsichtig optimistisch.


Quelle

Ito K, Yamazaki K, Natori A. Effect of long-term intake of alpha-lactalbumin on menstruation-related symptoms and quality of life in healthy Japanese women: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. Frontiers in Nutrition. 2026;13:1892605. DOI: 10.3389/fnut.2026.1892605 | PubMed: PMID 42568433


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschliesslich der Information und stellt keine medizinische Beratung dar. Bei persistierenden oder schweren prämenstruellen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder eine Ärztin. Die beschriebene Studie wurde von einem Lebensmittelhersteller finanziert – unabhängige Replikationen stehen aus.