Einleitung: Die vergessene Energiequelle
Das prämenstruelle Syndrom (PMS) wird meist mit Hormonschwankungen, Serotonin-Mangel oder Entzündungen erklärt. Doch es gibt einen weiteren, bisher selten beleuchteten Faktor: die mitochondriale Funktion. Die kleinen Kraftwerke in unseren Zellen produzieren die Energie, die wir für Stimmungsregulation, Schmerzverarbeitung und Schlaf brauchen – und ihre Leistung kann vor der Periode nachlassen.
Ubiquinol, die aktive, reduzierte Form von Coenzym Q10 (CoQ10), spielt hier eine zentrale Rolle. Als essenzieller Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette und potentes lipophiles Antioxidans schützt es die Zellen vor oxidativem Stress und unterstützt die ATP-Produktion. Eine neue japanische Pilotstudie liefert nun erste Evidenz, dass diese Supplementierung prämenstruelle Beschwerden lindern kann.
Die Studie: Kinoshita et al. (2025) – 86 Gesundheitsfachkräfte, 150 mg Ubiquinol täglich
Das Forschungsteam um Kinoshita, Maruyama, Katakami und Sakiyama von der Ehime Universität und der Sophia Universität in Tokio führte eine offene Pilotstudie mit 86 weiblichen Gesundheitsfachkräften im Alter von 21 bis 48 Jahren durch. Die Studie wurde im Journal of Obstetrics and Gynaecology Research veröffentlicht.
Studiendesign
- Design: Open-label Pilotstudie mit Beobachtungs- und Interventionsphase
- Teilnehmerinnen: 86 Frauen, 21–48 Jahre, alle Gesundheitsfachkräfte
- Dosierung: 150 mg Ubiquinol täglich (2 × 75 mg Softgel-Kapseln)
- Dauer: Mehrere Menstruationszyklen mit Kontrollmessungen vor, während und nach der Einnahme
- Endpunkte: Menstrual Distress Questionnaire (MDQ), Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI), Blutparameter
- Analyse: Stratifiziert nach Medianalter (<36 vs. ≥36 Jahre)
Ergebnisse: Jüngere vs. ältere Frauen – unterschiedliche Effekte
Die Ergebnisse zeigten einen altersabhängigen Effekt der Ubiquinol-Supplementierung:
Frauen unter 36 Jahren
- Signifikante Verbesserung im MDQ-Unterbereich „Control“ (p = 0,049) – also mehr Kontrolle über körperliche Symptome
- Tendenz zur Besserung bei negativen Affekten
Frauen ab 36 Jahren (stärkere Effekte)
- Signifikante Reduktion prämenstrueller „Negative Affect“ (p = 0,02) – Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, negative Emotionen
- Signifikante Verbesserung prämenstrueller „Control“ (p < 0,01)
- Signifikante Verbesserung menstrueller „Control“ (p = 0,03)
- Verbesserung der Schlafqualität gemessen durch PSQI (signifikant in der älteren Gruppe)
Interpretation: Warum wirkt Ubiquinol stärker bei älteren Frauen?
Die stärkere Wirkung bei Frauen ab 36 Jahren lässt sich biologisch plausibel erklären. Mit zunehmendem Alter sinkt die endogene CoQ10-Produktion – die körpereigene Synthese nimmt bereits ab dem 20. Lebensjahr kontinuierlich ab. Jüngere Frauen haben noch ausreichende eigene Reserven, während ältere Frauen stärker von einer externen Supplementierung profitieren.
Zudem spielen mitochondriale Dysfunktion und oxidativer Stress im prämenstruellen Zyklus eine wachsende Rolle. Die vermehrte Progesteronproduktion in der Lutealphase erhöht den Energiebedarf, und wenn die mitochondrialen Kapazitäten nicht mithalten können, entstehen Symptome wie Müdigkeit, Stimmungstiefs und Schlafstörungen – genau die Domänen, die in der Studie verbessert wurden.
Einschränkungen
Die Studie hat methodische Grenzen: Das offene Design ohne Placebo-Kontrolle begrenzt die Aussagekraft, da Placebo-Effekte nicht ausgeschlossen werden können. Die Teilnehmerinnen waren allesamt Gesundheitsfachkräfte, was die Generalisierbarkeit auf andere Berufsgruppen einschränkt. Zudem war die Stichprobe rein japanisch, und ethnische Unterschiede in der CoQ10-Metabolismus könnten die Übertragbarkeit auf europäische Populationen beeinflussen.
Es fehlen außerdem Daten zu Blutspiegeln von Ubiquinol vor und nach der Einnahme – ein objektiver biochemischer Nachweis der Compliance und Aufnahme wäre wünschenswert gewesen.
Fazit: Ein vielversprechender Ansatz mit Potential
Trotz der Einschränkungen liefert die Studie von Kinoshita et al. (2025) erste klinische Hinweise, dass Ubiquinol als mitochondriales Antioxidans prämenstruelle Symptome lindern und die Schlafqualität verbessern kann – besonders bei Frauen ab dem mittleren Erwachsenenalter. Der Mechanismus über die Unterstützung der mitochondrialen Energieproduktion und Reduktion oxidativen Stresses ist biologisch plausibel und ergänzt die bisherige PMS-Forschung um eine neue Dimension.
Für Frauen, die unter PMS-bedingter Müdigkeit, Reizbarkeit und Schlafstörungen leiden, könnte Ubiquinol eine zusätzliche, gut verträgliche Option darstellen – insbesondere dann, wenn klassische Ansätze wie Magnesium oder Vitamin B6 nicht ausreichend wirken. Weitere randomisierte Placebo-kontrollierte Studien sollten folgen, um diese vielversprechenden Ergebnisse zu bestätigen.
Quellen
Kinoshita T, Maruyama K, Katakami K, Sakiyama T. Effects of ubiquinol intake on improving menstrual symptoms among female healthcare workers: An open-label pilot study. J Obstet Gynaecol Res. 2025;51(4):e16279. doi: 10.1111/jog.16279. PMID: 40147024.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder eine Ärztin. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorab mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder gleichzeitiger Medikation.
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