Einleitung: Die Natur hat einen Plan für die Lutealphase

Die prämenstruelle Zeit kann für viele Frauen zur echten Belastung werden. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen, Schmerzen – die Bandbreite der PMS-Symptome ist breit und individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während hormonelle Verhütungsmittel und Antidepressiva oft als Standardtherapien empfohlen werden, suchen immer mehr Frauen nach natürlichen Alternativen.

Eine der vielversprechendsten pflanzlichen Optionen ist Vitex agnus-castus, besser bekannt als Mönchspfeffer oder Keuschlammsamen. Traditionell seit Jahrhunderten in der gynäkologischen Heilkunde eingesetzt, rückt diese Pflanze durch moderne klinische Studien zunehmend in den Fokus der evidenzbasierten Medizin. Und jetzt kommt eine spannende Kombination ins Spiel: Mönchspfeffer plus Soja.

Studie: Partovi Golshan et al. (2025)

Eine randomisierte, dreifach verblindete klinische Studie von Partovi Golshan und Kollegen, 2025 im International Journal of Community Based Nursing and Midwifery veröffentlicht, untersuchte erstmals systematisch die Kombination aus Mönchspfeffer (Vitagnus) und Sojaextrakt bei PMS.

Studiendesign

  • Design: Dreifach verblindete, randomisierte klinische Studie mit drei Armen
  • Teilnehmerinnen: 108 Studentinnen der Mashhad Universität (Iran) mit mittelschweren bis schweren PMS-Symptomen
  • Diagnose: Bestätigt über zwei Menstruationszyklen mittels „Calendar of Premenstrual Experiences“ (COPE)
  • Intervention:
    • Gruppe 1: Vitagnus (Mönchspfeffer) – 36 Teilnehmerinnen
    • Gruppe 2: Sojaextrakt – 36 Teilnehmerinnen
    • Gruppe 3: Kombination Vitagnus + Soja – 36 Teilnehmerinnen
  • Dauer: Zwei Menstruationszyklen (September 2022 – Oktober 2023)
  • Dosierung: Jeweils eine Kapsel täglich
  • Endpoints: COPE-Symptomskala (psychische und physische Symptome), statistische Analyse mittels ANOVA, Kruskal-Wallis, Tukey-Post-hoc, Wilcoxon-Test

Ergebnisse

Die Ergebnisse waren bemerkenswert und überraschend eindeutig:

  • Alle drei Gruppen zeigten eine signifikante Symptomreduktion (p < 0,001)
  • Die Kombination Vitagnus + Soja war deutlich effektiver als jeder Einzelwirkstoff allein bei psychischen Symptomen (p < 0,001)
  • Auch die gesamte PMS-Symptomatik reduzierte sich in der Kombinationsgruppe stärker (p < 0,001)
  • Bei physischen Symptomen war die Kombination vergleichbar mit Soja allein, aber effektiver als Vitagnus allein (p < 0,001)

Warum wirkt die Kombination?

Der Wirkmechanismus ist biologisch plausibel und elegant:

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) wirkt über den Dopamin-Rezeptor D2 und hemmt die Prolaktin-Freisetzung. Ein erhöhtes Prolaktin ist bei vielen PMS-Patientinnen nachweisbar und korreliert mit Brustspannen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Durch die Prolaktin-Senkung kann der normale Zyklus wiederhergestellt werden.

Soja liefert Isoflavone (Genistein und Daidzein), die als phytoöstrogene schwach östrogenartig wirken. Sie können die natürliche Östrogenwirkung modulieren und so die hormonelle Balance in der Lutealphase unterstützen – besonders bei Frauen mit relativem Östrogenmangel vor der Periode.

Die Kombination adressiert somit zwei komplementäre Mechanismen: Die Prolaktin-Regulation durch Vitagnus UND die östrogene Unterstützung durch Soja-Isoflavone.

Interpretation und klinische Bedeutung

Diese Studie liefert wichtige Hinweise für die klinische Praxis:

  1. Kombination schlägt Monotherapie: Die Kombination aus Mönchspfeffer und Soja war effektiver als jeder Wirkstoff für sich – ein wichtiger Hinweis für Patientinnen, die bisher nur einzelne pflanzliche Mittel ausprobiert haben.
  2. Psychische Symptome am stärksten betroffen: Besonders bei Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Angst zeigte die Kombination ihre Stärke.
  3. Gute Verträglichkeit: Als natürliche Substanzen weisen Mönchspfeffer und Soja typischerweise eine gute Verträglichkeit auf, ohne die Nebenwirkungsprofile synthetischer Hormone oder Antidepressiva.
  4. Evidenzbasierte Dosierung: Die Studie liefert konkrete Daten zur Dosierung und Dauer der Einnahme (zwei Zyklen).

Einschränkungen

Wie bei jeder Studie gibt es auch hier Grenzen zu beachten:

  • Population: Die Studie wurde an Studentinnen im Iran durchgeführt – die Ergebnisse sind nicht 1:1 auf andere Altersgruppen oder kulturelle Kontexte übertragbar.
  • Studiendauer: Zwei Menstruationszyklen sind relativ kurz; Langzeitdaten fehlen.
  • Kein Placebo-Kontrollarm: Die Studie verglich drei aktive Interventionen miteinander, enthielt aber keinen Placebo-Arm zur Kontrolle des Placebo-Effekts.
  • Keine Blutwert-Messungen: Hormonelle Veränderungen (Prolaktin, Östrogen, Progesteron) wurden nicht direkt gemessen, sondern nur über Symptomscores erfasst.

Fazit

Die Studie von Partovi Golshan et al. (2025) liefert überzeugende Hinweise: Die Kombination aus Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) und Sojaextrakt ist eine wirksame, natürliche Option zur Linderung prämenstrueller Symptome – besonders bei psychischen Beschwerden wie Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit.

Für Frauen, die bisher mit einzelnen pflanzlichen Präparaten wenig Erfolg hatten, könnte der Wechsel zu einer Kombinationstherapie den entscheidenden Unterschied machen. Die Daten sind vielversprechend – weitere Forschung mit Placebo-Kontrolle und Langzeitbeobachtung wäre wünschenswert.

Quelle

Partovi Golshan R, Moradi M, Rakhshandeh H, Ghavami V, Moshirian Farahi SM. Comparison of the Effects of Vitagnus, Soy, and Vitagnus-soy Capsules on Premenstrual Syndrome in University Students: A Randomized Clinical Trial. Int J Community based Nurs Midwifery. 2025. doi:10.30476/ijcbnm.2024.102930.2543

PubMed-Link zur Studie

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine medizinische Beratung dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder eine Ärztin.