Einleitung: Wenn gesunde Ernährung nicht ausreicht

Die Mittelmeerdiät gilt als eine der gesündesten Ernährungsweisen der Welt. Reich an Olivenöl, Gemüse, Fisch und Nüssen, wird sie mit einem niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und sogar Depressionen in Verbindung gebracht. Angesichts dieser beeindruckenden Bilanz lag die Vermutung nahe: Könnte die mediterrane Ernährung auch prämenstruelle Beschwerden lindern?

Eine neue Querschnittstudie aus Polen, veröffentlicht im Mai 2026 im renommierten British Journal of Nutrition, liefert eine überraschende Antwort: Nein, zumindest nicht direkt. Die Studie mit 606 Frauen fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Einhaltung einer mediterranen Ernährung und der Schwere von PMS-Symptomen.

Studiendesign: 606 Frauen, 32 Symptome, ein Score

Das Forschungsteam um Dominika Granda von der Warsaw University of Life Sciences rekrutierte 606 Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren. Die prämenstruellen Symptome wurden mit zwei validierten Instrumenten erfasst: dem Premenstrual Symptoms Screening Tool (PSST) und dem Calendar of Premenstrual Experiences (COPE).

Die Einhaltung der mediterranen Ernährung wurde mit einem modifizierten Mediterranean Diet Score (mMDS) gemessen, der Werte von 0 bis 9 Punkten vergibt. Als Grundlage diente ein umfassender 138-Punkte-Fragebogen zur Ernährungshäufigkeit (Food Frequency Questionnaire). Die Teilnehmerinnen wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  • Niedrige Adhärenz (mMDS 0–3 Punkte)
  • Mittlere Adhärenz (mMDS 4–5 Punkte)
  • Hohe Adhärenz (mMDS 6–9 Punkte)

Die PMS-Schweregrade verteilten sich wie folgt: 21,8 % der Frauen hatten kein PMS, 50,2 % ein mildes PMS und 28,0 % ein moderates bis schweres PMS.

Ergebnisse: Kein Zusammenhang — mit einer Ausnahme

Die zentrale Erkenntnis der Studie ist so klar wie ernüchternd: Es wurde keine statistisch signifikante Assoziation zwischen der mediterranen Ernährungsweise und der Gesamtschwere von PMS gefunden.

Die Odds Ratios (OR) für moderates/schweres PMS im Vergleich zu Frauen mit niedriger mMDS-Punktzahl:

  • Mittlere mMDS (4–5 Punkte): OR = 1,11 (95%-KI: 0,63–1,94)
  • Hohe mMDS (6–9 Punkte): OR = 1,37 (95%-KI: 0,75–2,53)

Beide Konfidenzintervalle schließen den Wert 1 ein — das heißt: statistisch nicht signifikant. Weder schützte eine bessere Mittelmeerdiät vor PMS, noch verstärkte sie die Symptome.

Von 32 untersuchten Einzelsymptomen zeigte lediglich Kopfschmerz eine inverse Assoziation mit der mediterranen Ernährung — und auch nur in der Gruppe mit mittlerer Adhärenz (OR = 0,75; 95%-KI: 0,59–0,95). In der Gruppe mit hoher Adhärenz verschwand selbst dieser schwache Zusammenhang (OR = 0,80; 95%-KI: 0,63–1,03).

Interpretation: Warum zeigt die gesündeste Ernährung keine Wirkung?

Das Ergebnis überrascht, denn die Mittelmeerdiät ist reich an entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen — alles Faktoren, die theoretisch PMS-Symptome mildern könnten.

Die Autorinnen nennen mehrere mögliche Erklärungen für das Null-Ergebnis:

  1. PMS ist multifaktoriell. Hormonelle Schwankungen, Neurotransmitter-Ungleichgewichte und psychosoziale Faktoren spielen eine so große Rolle, dass die Ernährung allein möglicherweise nicht den entscheidenden Unterschied macht.
  2. Querschnittsdesign. Eine Momentaufnahme kann keine kausalen Zusammenhänge aufdecken. Möglicherweise wirkt die Mittelmeerdiät erst über Jahre hinweg oder in Kombination mit anderen Lebensstilfaktoren.
  3. Spezifische Nährstoffe vs. Gesamternährungsmuster. Vielleicht sind es nicht die globalen Ernährungsmuster, sondern einzelne Nährstoffe (wie Magnesium, Vitamin B6 oder Calcium), die PMS beeinflussen — und diese werden durch einen globalen Score nicht ausreichend abgebildet.

Einschränkungen der Studie

Die Studie hat mehrere Limitationen: Das Querschnittsdesign erlaubt keine Kausalaussagen. Die Stichprobe bestand ausschließlich aus polnischen Frauen, was die Übertragbarkeit auf andere Populationen einschränkt. Zudem basierten alle Angaben auf Selbstauskünften, was Verzerrungen durch Erinnerungsfehler oder soziale Erwünschtheit mit sich bringen kann.

Fazit: Kein Freifahrtschein für ungesunde Ernährung

Die Studie ist kein Grund, die Mittelmeerdiät bei PMS aufzugeben. Ihre Vorteile für Herz, Gehirn und Stoffwechsel sind unbestritten. Aber sie ist — zumindest nach dieser Untersuchung — kein alleiniger Gamechanger für PMS-Symptome.

Für betroffene Frauen bedeutet das: Eine gesunde Ernährung bleibt wichtig, sollte aber nicht als einzige Strategie gegen prämenstruelle Beschwerden betrachtet werden. Bewegung, Stressmanagement, Schlafhygiene und gegebenenfalls gezielte Supplementierung sind weiterhin zentrale Bausteine eines ganzheitlichen PMS-Managements.

Die Forschung ist damit nicht am Ende: Die Autorinnen rufen ausdrücklich zu prospektiven Studien und Interventionsstudien auf, die den Ernährungszusammenhang über mehrere Zyklen hinweg untersuchen.

Quelle

Granda D, Szmidt MK, Kaluza J. Adherence to Mediterranean-style Diet and Premenstrual Syndrome Severity: A Cross-sectional Study. British Journal of Nutrition. 2026 May 26. DOI: 10.1017/S000711452610765X. PMID: 42188429.

Haftungsausschluss

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei starken PMS-Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen.