Halsey – mit bürgerlichem Namen Ashley Nicolette Frangipane – ist eine der prägendsten Künstlerinnen ihrer Generation. Mit Hits wie „Without Me“, „Bad at Love“ und „Closer“ (mit den Chainsmokers) hat sie weltweit über 50 Millionen Tonträger verkauft, drei Grammy-Nominierungen gesammelt und eine fanatische Fangemeinde aufgebaut, die sie liebevoll „The Kingdom“ nennt. Doch hinter den glitzernden Bühnenoutfits und den perfekten Musikvideos verbirgt sich ein jahrelanger Kampf – gegen Endometriose und die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD).

„Mein Körper ist ein Schlachtfeld“ – Halseys Gesundheitsgeschichte

Halsey sprach erstmals 2016 öffentlich über ihre Endometriose-Diagnose – eine Erkrankung, bei der Gewebe ähnlich der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst und extreme Schmerzen verursacht. Doch das war nur die halbe Wahrheit. In den folgenden Jahren wurde klar: Die Sängerin kämpft zusätzlich mit PMDD, einer schweren Form des prämenstruellen Syndroms, die mit massiven Stimmungsschwankungen, Depressionen und Angstzuständen einhergeht.

In einem bewegenden Instagram-Post im Januar 2022 schrieb Halsey: „Ich habe Endometriose, POTS, Ehlers-Danlos-Syndrom, Mastzellaktivierungssyndrom und PMDD. Mein Körper ist ein Schlachtfeld, aber ich kämpfe jeden Tag.“ Der Post ging viral – nicht nur wegen der Ehrlichkeit, sondern weil er Millionen Frauen das Gefühl gab, endlich gesehen zu werden.

PMDD: Wenn die Tage vor der Periode zur Krise werden

Die prämenstruelle dysphorische Störung betrifft etwa 3–8 % aller menstruierenden Menschen – und geht weit über „normales PMS“ hinaus. Betroffene erleben in der Lutealphase (den 7–14 Tagen vor der Menstruation) so starke psychische Symptome, dass Alltag, Arbeit und Beziehungen massiv beeinträchtigt werden. Halsey beschrieb ihre PMDD-Erfahrung so: „Es fühlt sich an, als würde jemand einen Schalter in meinem Gehirn umlegen. Plötzlich bin ich nicht mehr ich selbst.“

Für die Sängerin, die oft monatelang auf Tour ist und in der Öffentlichkeit steht, ist PMDD eine besondere Herausforderung. Konzerte, Interviews, Studioaufnahmen – all das muss in einem engen Zeitplan funktionieren, der keine Rücksicht auf den weiblichen Zyklus nimmt. „Ich musste Shows absagen, weil ich vor Schmerzen und emotionaler Überwältigung nicht aus dem Bett kam“, gestand sie in einem Interview mit Vogue.

Endometriose + PMDD: Eine fatale Kombination

Was Halseys Situation besonders kompliziert macht: Die Kombination aus Endometriose und PMDD. Während die Endometriose vor allem körperliche Schmerzen verursacht – oft so stark, dass Halsey mehrfach notoperiert werden musste –, schlägt die PMDD auf die Psyche. „Die körperlichen Schmerzen sind das eine“, sagte sie, „aber die emotionale Achterbahn kurz vor der Periode ist das, was mich wirklich zerstört. Ich fühle mich hoffnungslos, obwohl ich weiß, dass es in ein paar Tagen vorbei ist.“

2022 unterzog sich Halsey mehreren Operationen, um die Endometriose-Herde zu entfernen. Sie dokumentierte den Prozess auf Social Media – mit OP-Narben, Krankenhausfotos und ehrlichen Berichten über die Genesung. Für viele Fans war das ein Augenöffner: Endometriose und PMDD sind keine „Frauenleiden“, die man mit einer Wärmflasche wegsteckt, sondern ernsthafte Erkrankungen.

Was Halsey hilft: Therapie, Medikamente und Selbstfürsorge

Halsey macht kein Geheimnis daraus, dass sie professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Sie spricht offen über Therapie, Medikamente und die Bedeutung von Selbstfürsorge während der schwierigen Zyklus-Phasen. „Ich habe gelernt, meinen Kalender nach meinem Zyklus zu planen – nicht umgekehrt“, erklärte sie. „In der Woche vor meiner Periode sage ich keine wichtigen Meetings oder Auftritte zu. Ich schütze mich selbst.“

Zu den Strategien, die Halsey für sich entdeckt hat, gehören:

  • Zyklus-Tracking: Sie dokumentiert ihre Symptome und plant ihr Leben um die schwierigen Tage herum
  • Regelmäßige Therapie: Ein sicherer Raum, um die emotionalen PMDD-Symptome zu verarbeiten
  • Bewegung in Maßen: Sanftes Yoga statt intensivem Training während der Lutealphase
  • Medikamentöse Unterstützung: In Absprache mit ihren Ärzten nutzt sie verschiedene Behandlungsansätze
  • Offenheit: Das Reden über ihre Erkrankungen nimmt ihr die Scham und gibt anderen Mut

Warum Halseys Offenheit so wichtig ist

Wenn eine der erfolgreichsten Musikerinnen der Welt sagt: „Ich habe PMDD und es ist okay, Hilfe zu brauchen“ – dann verändert das etwas. Halsey hat mit ihrer Ehrlichkeit das Tabu um Menstruationserkrankungen ein Stück weit gebrochen. Sie zeigt jungen Frauen, dass man trotz chronischer Erkrankung erfolgreich sein kann – aber auch, dass es keine Schwäche ist, Pausen einzulegen und Grenzen zu setzen.

Besonders wichtig: Halsey spricht nicht nur über die Erkrankungen selbst, sondern auch über die Fehldiagnosen und das medizinische Gaslighting, das viele Betroffene erleben. Jahrelang wurden ihre Symptome nicht ernst genommen. „Mir wurde gesagt, ich solle mich nicht so anstellen – es sei doch nur die Periode“, erinnert sie sich. „Bis ich fast ohnmächtig auf der Bühne zusammenbrach.“

Fazit: Du bist nicht allein

Halseys Geschichte erinnert uns daran, dass PMDD und Endometriose echte, ernsthafte Erkrankungen sind – keine Befindlichkeiten. Sie erinnert uns auch daran, dass es Hilfe gibt: Therapie, medikamentöse Behandlung, Lebensstilanpassungen und vor allem die Unterstützung durch Menschen, die zuhören und verstehen.

Wenn du selbst unter starken PMS- oder PMDD-Symptomen leidest: Du bist nicht allein. Sprich mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen. Dokumentiere deine Symptome über mehrere Zyklen. Und denk daran: Deine Schmerzen sind real – lass dir von niemandem einreden, du würdest übertreiben.


Quellen:

  • Halsey auf Instagram: Gesundheits-Update Januar 2022
  • Vogue Interview: Halsey über Endometriose und Tour-Leben (2022)
  • People Magazine: Halsey’s Health Journey (2023)
  • Endometriosis Foundation of America: Statistiken zu Endometriose und PMDD

Bild: Halsey bei den iHeartRadio Music Awards 2019. Foto: Glenn Francis, CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.