Eine aktuelle randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2025 liefert vielversprechende Ergebnisse: Die Einnahme von 500 mg Curcumin täglich – nur 10 Tage pro Zyklus – reduzierte PMS-Symptome und Regelschmerzen signifikant. Die Studie nutzte eine innovative phosphatidylcholin-komplexierte Formulierung, die die Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs deutlich erhöht.

Einleitung: Ein natürlicher Wirkstoff mit überraschendem Potenzial
Prämenstruelles Syndrom (PMS) und primäre Dysmenorrhö gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden im reproduktiven Alter. Während viele Frauen auf Schmerzmittel oder hormonelle Therapien zurückgreifen, suchen immer mehr nach natürlichen Alternativen. Curcumin – der bioaktive Wirkstoff aus der Kurkumawurzel – rückt nun ins Zentrum der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit.
Eine randomisierte kontrollierte Studie von Shabani et al., veröffentlicht im Juli 2025 im Journal of Pharmaceutical Health Care and Sciences, untersuchte erstmals die Wirksamkeit einer phosphatidylcholin-komplexierten Curcumin-Formulierung bei Medizinstudentinnen mit PMS und Dysmenorrhö. Die Ergebnisse sind beeindruckend.
Studiendesign: Doppelblinde RCT über drei Menstruationszyklen
Die Studie wurde an der Tabriz University of Medical Sciences im Iran durchgeführt und im Iranian Registry of Clinical Trials registriert (IRCT20120718010324N71).
Teilnehmerinnen: 62 Medizinstudentinnen im Alter von 18 bis 25 Jahren mit:
- Regelmäßigen Zyklen (21–35 Tage)
- Diagnostizierter Dysmenorrhö (VAS ≥ 4)
- Moderaten bis schweren PMS-Symptomen (PSST ≥ 20)
Die Studentinnen wurden per Blockrandomisierung in zwei Gruppen eingeteilt:
- Interventionsgruppe (n = 31): 500 mg Curcumin-Kapseln (NOW®, phosphatidylcholin-komplexiert), einmal täglich
- Placebogruppe (n = 31): Identische Maisstärke-Kapseln
Die Einnahme erfolgte 10 Tage pro Zyklus – von 7 Tagen vor bis 3 Tage nach dem erwarteten Menstruationsbeginn – über zwei Zyklen. In einem dritten Zyklus wurde keine Supplementierung durchgeführt, um Persistenzeffekte zu prüfen.
Die Ergebnisse im Detail
Die Ergebnisse wurden mittels ANCOVA (adjustiert für Baseline-Werte) ausgewertet:
1. PMS-Symptomatik (PSST-Score)
- 2. Zyklus: Die Curcumin-Gruppe zeigte eine signifikante Reduktion gegenüber Placebo (MD: -5,2 Punkte; 95% CI: -9,6 bis -0,9; p = 0,018)
- 3. Zyklus (nach Absetzen): Die Verbesserung blieb nach Absetzen der Supplementierung stabil
2. Regelschmerzen (VAS-Score)
- 2. Zyklus: Signifikante Schmerzlinderung gegenüber Placebo (MD: -0,8; 95% CI: -1,4 bis -0,1; p = 0,012)
- 3. Zyklus: Die Schmerzlinderung persistierte auch nach Absetzen (MD: -0,8; 95% CI: -1,5 bis -0,08; p = 0,029)
Besonders bemerkenswert: Keine der Teilnehmerinnen berichtete über Nebenwirkungen. Die Studie wurde von allen 62 Frauen vollständig abgeschlossen – eine Abschlussrate von 100 Prozent.
Warum wirkt Curcumin? Die biologischen Mechanismen
Die Autoren erklären die Wirkung durch mehrere zentrale Mechanismen:
- Anti-inflammatorische Wirkung: Curcumin hemmt das Enzym COX-2 und reduziert so die Synthese pro-inflammatorischer Prostaglandine – die Hauptursache für Menstruationsschmerzen.
- Antioxidative Wirkung: Curcumin reduziert oxidativen Stress durch die Aktivierung der körpereigenen Antioxidantien, was die PMS-Pathophysiologie positiv beeinflusst.
- Neurotransmitter-Modulation: Curcumin beeinflusst Serotonin- und Dopaminspiegel, was depressive Symptome, Stimmungsschwankungen und emotionale Instabilität mildern kann.
- Entzündungsmarker-Senkung: Frühere Studien zeigten eine signifikante Reduktion von hochsensitiven C-reaktiven Protein (hsCRP), einem zentralen Biomarker für systemische Entzündung.
Die phosphatidylcholin-Komplexierung ist ein entscheidender Faktor: Curcumin allein hat eine extrem schlechte Bioverfügbarkeit. Die Kombination mit Phosphatidylcholin erhöht die Aufnahme ins Gewebe deutlich – vergleichbare Formulierungen zeigen eine bis zu 29-fach höhere Bioverfügbarkeit.
Vergleich mit früheren Curcumin-Studien
Die vorliegende Studie erweitert bestehende Erkenntnisse wesentlich:
- Khayat et al. (2015): Erste RCT mit Curcumin bei PMS, zeigte Symptomreduktion – jedoch ohne bioverfügbarkeitsoptimierte Formulierung.
- Bahrami et al. (2021): Dreifachblindstudie mit 64 % Schmerzreduktion durch Curcumin – jedoch Standardformulierung.
- Shabani et al. (2025): Erste Studie mit phosphatidylcholin-komplexiertem Curcumin, erweiterte Follow-up-Phase über drei Zyklen, bessere Studienqualität.
Einschränkungen der Studie
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse sind Limitationen zu beachten:
- Kleine Stichprobe: Nur 62 Teilnehmerinnen begrenzen die statistische Power
- Junge Population: Ausschließlich Medizinstudentinnen (18–25 Jahre) – keine Übertragbarkeit auf ältere Frauen oder Frauen mit Komorbiditäten
- Selbstberichtete Daten: Alle Endpunkte basieren auf subjektiven Fragebögen (PSST, VAS)
- Kurzer Follow-up: Die Nachbeobachtung beschränkte sich auf drei Zyklen
- Kultureller Kontext: Durchführung ausschließlich im Iran – Ernährungs- und Stressfaktoren können die Ergebnisse beeinflussen
- Keine Ibuprofen-Dokumentation: Teilnehmerinnen erhielten Ibuprofen als Rescue-Medikation, die exakte Nutzung wurde nicht erfasst
Praktische Empfehlungen für betroffene Frauen
Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Praxis:
1. Bioverfügbarkeit entscheidend: Nicht jedes Curcumin-Präparat ist gleich. Bei der Auswahl auf phosphatidylcholin-komplexierte, liposomale oder andere bioverfügbarkeitsoptimierte Formulierungen achten – Standard-Curcumin wird vom Körper kaum aufgenommen.
2. Zyklusgerechte Einnahme: Die Studie zeigte, dass bereits eine 10-tägige Einnahme (7 Tage vor bis 3 Tage nach dem erwarteten Periodenbeginn) ausreicht – keine kontinuierliche Einnahme notwendig.
3. Geduld ist gefragt: Die signifikanten Effekte zeigten sich erst im zweiten Zyklus. Eine Behandlung über mindestens zwei Zyklen ist sinnvoll.
4. Kombination mit anderen Ansätzen: Curcumin kann ergänzend zu Magnesium, Vitamin B6, Omega-3 oder Bewegung eingesetzt werden – nicht als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung.
5. Sicherheit: In der Studie wurden keine Nebenwirkungen beobachtet. Curcumin gilt als gut verträglich – bei längerfristiger Anwendung jedoch ärztliche Begleitung empfohlen.
Fazit
Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie von Shabani et al. (2025) liefert robuste Evidenz dafür, dass phosphatidylcholin-komplexiertes Curcumin bei Frauen mit PMS und Dysmenorrhö zu einer signifikanten Symptomverbesserung führt. Besonders bemerkenswert ist die gute Verträglichkeit, der zeitlich begrenzte Einnahmeplan und der Persistenzeffekt über das Absetzen hinaus.
Für betroffene Frauen bedeutet dies: Curcumin ist eine vielversprechende, natürliche Option – vorausgesetzt, es wird in bioverfügbarer Form eingenommen. Die Studie bestärkt den Trend hin zu evidenzbasierten, nicht-pharmakologischen Therapien für menstruationsbezogene Beschwerden.
Quellenangabe
Primärquelle:
Shabani F, Mashayekh-Amiri S, Teihoomaneshfard F, Hesami M, Shaseb E, Mirghafourvand M. The effect of oral curcumin capsules on symptoms of premenstrual syndrome and dysmenorrhea: a randomized controlled trial. J Pharm Health Care Sci. 2025;11:61. Veröffentlicht am 16. Juli 2025.
DOI: 10.1186/s40780-025-00470-1
Trial Registration:
Iranian Registry of Clinical Trials: IRCT20120718010324N71
Weiterführende Literatur:
– Khayat S et al. Curcumin attenuates severity of premenstrual syndrome symptoms: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Complement Ther Med. 2015;23(3):318-24.
– Bahrami A et al. Effects of curcumin on menstrual pattern, premenstrual syndrome, and dysmenorrhea: a triple-blind, placebo-controlled clinical trial. Phytother Res. 2021;35(12):6954-62.
– Talebpour A et al. Effect of curcumin on inflammatory biomarkers and iron profile in patients with premenstrual syndrome and dysmenorrhea: a randomized controlled trial. Physiol Rep. 2023;11(13):e15763.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte medizinische Fachperson. Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung verwendet werden. Hochdosierte Curcumin-Präparate sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.