Einleitung: Wenn Farben den Zyklus beruhigen
Das prämenstruelle Syndrom (PMS) betrifft schätzungsweise 20–40 % aller menstruierenden Frauen in störender Form. Während viele auf Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel oder hormonelle Therapien zurückgreifen, rückt zunehmend eine einfache, kreative Strategie in den Fokus der Forschung: Mandala-Malen als Form der Kunsttherapie und Achtsamkeitspraxis.
Mandala-Malen wird bereits in verschiedenen klinischen Kontexten als komplementäre Therapie eingesetzt – bei Stress, Angst und chronischen Erkrankungen. Doch wie wirkt sich die gezielte, meditative Färbung geometrischer Muster auf die prämenstruellen Symptome aus? Eine randomisiert kontrollierte Studie aus der Türkei, veröffentlicht 2025/2026 im renommierten Fachjournal Holistic Nursing Practice, liefert nun erste hochwertige Evidenz.
Die Studie: Derin & Şolt Kirca 2025/2026 – Mandala-Malen als RCT
Das Forschungsteam um Efsun Derin und Ayça Şolt Kirca führte eine methodisch strenge, einfach verblindete randomisiert kontrollierte Studie (RCT) durch – die erste ihrer Art zum Thema Mandala-Malen und PMS:
- Studientyp: Einfach verblindete, randomisiert kontrollierte experimentelle Studie
- Teilnehmerinnen: 80 Studentinnen im Alter von 19 Jahren und älter
- Rekrutierung: November 2023 bis März 2024 an einer türkischen Universität
- Einschlusskriterien: Frauen mit diagnostiziertem PMS
- Randomisierung: 1:1 in Interventionsgruppe vs. Kontrollgruppe
- Intervention: Strukturiertes Mandala-Coloring über einen definierten Zeitraum
- Kontrollgruppe: Keine spezifische Intervention
- Messinstrument: Premenstrual Syndrome Scale (PMSS) – validierter Fragebogen
- Primärer Endpunkt: Veränderung der PMS-Gesamtschwere und Subskalen
Die Ergebnisse: Signifikante PMS-Reduktion durch Mandala-Malen
1. Gesamte PMS-Symptomreduktion
Die Studie lieferte überzeugende Befunde für die Wirksamkeit von Mandala-Malen bei PMS:
- Interventionsgruppe (Pre-Test): 155,22 ± 26,14 Punkte
- Interventionsgruppe (Post-Test): 112,68 ± 30,65 Punkte
- Kontrollgruppe (Pre-Test): 161,51 ± 25,75 Punkte
- Kontrollgruppe (Post-Test): 162,14 ± 25,05 Punkte
Die Interventionsgruppe zeigte eine signifikante Reduktion der PMS-Symptome (p < 0,05), während die Kontrollgruppe praktisch unverändert blieb. Das entspricht einer symptomatischen Verbesserung von rund 27 % in der Mandala-Gruppe.
2. Subskalen-Analyse
Die Verbesserung betraf alle Subskalen des PMSS – von körperlichen Beschwerden wie Brustspannen und Müdigkeit bis hin zu psychischen Symptomen wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Angst.
3. Klinische Relevanz
Die Effektgröße ist klinisch relevant: Eine Reduktion von über 40 Punkten auf der PMSS-Skala bedeutet für die betroffenen Frauen spürbare Entlastung im Alltag – weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten, bessere Konzentration im Studium und verbesserte Lebensqualität.
Interpretation: Warum wirkt Mandala-Malen?
Die Forscher diskutieren mehrere Wirkmechanismen:
- Achtsamkeitsfokus: Das konzentrierte Ausmalen komplexer Muster führt zu einem Zustand der „flow“-ähnlichen Aufmerksamkeit, der Rumination unterbricht und Stresshormone senkt.
- Sensorische Regulation: Die Kombination aus visueller Wahrnehmung, feinmotorischer Koordination und Farbwahl aktiviert parasympathische Nervensystem-Prozesse.
- Emotionale Expression: Farbwahl und Gestaltung ermöglichen nonverbale emotionale Verarbeitung – besonders wertvoll für Frauen, die in der prämenstruellen Phase mit Stimmungsschwankungen kämpfen.
- Struktur und Kontrolle: Die geometrische Ordnung der Mandalas bietet in einer Phase des hormonellen Chaos ein Gefühl von Kontrolle und Vollständigkeit.
Einschränkungen und Kritik
Wie bei jeder Studie gilt es, die Limitationen transparent zu benennen:
- Stichprobengröße: Mit 80 Teilnehmerinnen ist die Studie relativ klein – größere Replikationsstudien sind wünschenswert.
- Homogene Population: Ausschließlich Studentinnen – die Generalisierbarkeit auf ältere Frauen oder andere soziale Gruppen ist unklar.
- Einmalverblindung: Nur die Analysten waren verblindet, nicht die Teilnehmerinnen selbst – ein Placebo-Effekt ist nicht vollständig auszuschließen.
- Fehlende Follow-up-Daten: Langzeitwirkungen über mehrere Menstruationszyklen wurden nicht erfasst.
- Keine Dosis-Wirkungs-Analyse: Optimale Frequenz und Dauer der Mandala-Sitzungen wurden nicht systematisch variiert.
Fazit: Ein kreativer, evidenzbasierter Ansatz
Die Studie von Derin & Şolt Kirca (2025/2026) liefert erstmalig hochwertige RCT-Evidenz dafür, dass Mandala-Malen als kreative Therapieform prämenstruelle Symptome signifikant lindern kann. Mit einer symptomatischen Verbesserung von rund 27 % und signifikanten Unterschieden zur Kontrollgruppe (p < 0,05) positioniert sich die Kunsttherapie als ernstzunehmende komplementäre Strategie im PMS-Management.
Für Frauen, die nach natürlichen, nebenwirkungsarmen Methoden suchen, bietet Mandala-Malen eine zugängliche, kostengünstige Option – ob als eigenständige Übung oder ergänzend zu anderen Behandlungen. Die Kombination aus kreativem Ausdruck, Achtsamkeit und strukturierter Entspannung macht diese Methode besonders für die luteale Phase geeignet.
Quellenangabe
Derin E, Şolt Kirca A. The Effect of Mandala Coloring on Premenstrual Syndrome: A Randomized Controlled Experimental Study. Holistic Nursing Practice. 2025/2026. DOI: 10.24912/ijassh.v1i1.25814
PubMed: PMID 41177972
Haftungsausschluss
Dieser Artikel dient ausschließlich der Informationsvermittlung und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei starken oder andauernden PMS-Symptomen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Ihre Ärztin. Jede Behandlung sollte im Abstimmung mit einem qualifizierten Gesundheitsdienstleister erfolgen.
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