Bergamot- und Grapefruit-Aromatherapie bei PMS: Türkische RCT-Studie zeigt signifikante Symptomreduktion

Premenstruelles Syndrom (PMS) betrifft weltweit schätzungsweise 251 Millionen Frauen im reproduktiven Alter. Die Symptome reichen von Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit über Schlafstörungen und Müdigkeit bis hin zu Schmerzen, Spannungsgefühlen und Verdauungsbeschwerden. Obwohl hormonelle Therapien und Schmerzmittel verfügbar sind, greifen viele Frauen auf komplementäre Verfahren zurück – nicht zuletzt wegen Nebenwirkungen oder unzureichender Wirkung konventioneller Behandlungen. Eine vielversprechende, bislang kaum erforschte Methode ist die Aromatherapie mit ätherischen Zitrusölen. Eine neue randomisierte kontrollierte Studie aus der Türkei liefert nun erstmals belastbare Evidenz für die Wirksamkeit von Bergamot- und Grapefruit-Öl bei PMS.

Studiendesign: Randomisiert, kontrolliert, dreifach verblindet

Die Studie wurde zwischen Februar und Juni 2024 an der KTO Karatay Universität in Konya, Türkei, durchgeführt und im Mai 2025 in BMC Complementary Medicine and Therapies veröffentlicht (Özer et al., 2025). Es handelte sich um eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit dreifacher Gruppeneinteilung und prospektiver Registrierung unter NCT06289764.

Insgesamt wurden 90 Frauen im Alter von 18 bis 44 Jahren mit diagnostiziertem PMS (Premenstrual Syndrome Scale > 110 Punkte) in drei Gruppen randomisiert:

  • Grapefruit-Gruppe (n=30): Inhalation von 100%igem Grapefruit-Öl (Citrus paradisi)
  • Bergamot-Gruppe (n=30): Inhalation von 100%igem Bergamot-Öl (Citrus bergamia)
  • Placebo-Gruppe (n=30): Inhalation von süßem Mandelöl

Die Intervention fand während der lutealen Phase statt – jeweils vier aufeinanderfolgende Tage, drei Mal täglich (morgens, mittags, abends) für 30 Minuten über drei Menstruationszyklen. Die Teilnehmerinnen schnüffelten drei Tropfen Öl auf einem Wattebausch aus 15 cm Entfernung.

Die Primärendpunkte waren die Veränderung des Premenstrual Syndrome Scale (PMSS) und des Menstrual Symptom Questionnaire (MSQ) vor und nach der Intervention.

Ergebnisse: Grapefruit-Öl überzeugt, Bergamot zeigt selektive Wirkung

Grapefruit-Öl (Citrus paradisi) – breite Wirkung

Grapefruit-Öl zeigte statistisch signifikante Verbesserungen in nahezu allen untersuchten Bereichen:

  • Gesamt-PMS-Score: signifikante Reduktion (p = 0,010)
  • Depressive Verstimmung: p < 0,001
  • Angstzustände: p < 0,001
  • Müdigkeit: p < 0,001
  • Depressive Gedanken: p < 0,001
  • Appetitveränderungen: p < 0,001
  • Schlafstörungen: p < 0,001
  • Blähungen: p < 0,001
  • Reizbarkeit: p = 0,024
  • Schmerzen: p = 0,047

Zusätzlich reduzierte Grapefruit-Öl signifikant:

  • Menstruationsschmerzen (p = 0,024)
  • Den Bedarf an Coping-Strategien (p = 0,011)

Bergamot-Öl (Citrus bergamia) – selektiver Fokus

Bergamot-Öl zeigte ebenfalls eine signifikante Reduktion des Gesamt-PMS-Scores (p = 0,001), jedoch mit einem engeren Wirkprofil:

  • Depressive Verstimmung: p = 0,013
  • Reizbarkeit: p = 0,034
  • Depressive Gedanken & Appetitveränderungen: p = 0,026
  • Schmerzen: p = 0,001

Im Gegensatz zu Grapefruit-Öl wirkte sich Bergamot nicht signifikant auf Angst, Müdigkeit, Schlaf, Blähungen oder Menstruationssymptome aus.

Placebo-Gruppe – Symptome verschlimmerten sich

Bemerkenswert: In der Placebo-Gruppe (süßes Mandelöl) verschlimmerten sich die PMS-Symptome teilweise signifikant. Der Gesamt-Score stieg (p = 0,013), und es gab Zunahmen bei Depression, Angst, Müdigkeit und Reizbarkeit – was die spezifische Wirkung der ätherischen Öle noch deutlicher hervorhebt.

Wissenschaftliche Interpretation: Limonen als Schlüsselmolekül

Die Autoren führen die Wirkung vor allem auf das Hauptterpen der Öle zurück: Limonen. Dieses Molekül gilt als potenter Modulator des zentralen Nervensystems mit nachgewiesenen anxiolytischen, antidepressiven und entzündungshemmenden Eigenschaften. Limonen beeinflusst den limbischen Systemweg – denjenigen Hirnareal, der für Emotionsregulation und Stressantwort zuständig ist.

Grapefruit-Öl enthält typischerweise höhere Konzentrationen an Limonen (bis zu 95 %) als Bergamot-Öl, was die breitere und stärkere Wirkung erklären könnte. Zusätzlich enthalten beide Öle Linalool und andere Terpenoide, die synergistisch auf GABA-Rezeptoren wirken und so die beruhigende Wirkung verstärken.

Grenzen der Studie

Die Autoren nennen transparent folgende Einschränkungen:

  • Selbstberichtete Daten: PMS-Symptome sind subjektiv, was ein gewisses Bias-Risiko birgt
  • Kleine Stichprobe: 90 Teilnehmerinnen limitieren die Generalisierbarkeit
  • Keine Verblindung möglich: Die charakteristischen Düfte der ätherischen Öle machten eine echte Verblindung unmöglich
  • Kurze Follow-up-Zeit: Drei Zyklen erlauben keine Aussage zur Langzeitwirkung
  • Homogene Population: Universitätsstudentinnen in einer türkischen Großstadt

Fazit: Ein vielversprechender, nebenwirkungsarmer Ansatz

Diese Studie liefert erstmals belastbare RCT-Daten für die Wirksamkeit von Bergamot- und Grapefruit-Aromatherapie bei PMS. Grapefruit-Öl zeichnet sich durch eine besonders breite Wirkung auf psychische und körperliche Symptome aus, während Bergamot-Öl selektiv bei depressiven Symptomen und Schmerzen wirkt. Beide Öle sind nicht-invasiv, kostengünstig und frei von den Nebenwirkungen pharmakologischer Therapien.

Für Frauen mit PMS könnte die gezielte Inhalation von ätherischen Zitrusölen während der lutealen Phase eine wertvolle Ergänzung zum Selbstmanagement sein – als alleinige Maßnahme bei leichten bis mittelschweren Symptomen oder als adjuvante Therapie.

Quelle

Özer E, Döner Şİ, Dağ Tüzmen H. The effect of aromatherapy intervention with Bergamot and Grapefruit essential oils on premenstrual syndrome and menstrual symptoms: a randomized controlled trial. BMC Complement Med Ther. 2025;25:162. doi: 10.1186/s12906-025-04857-3

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Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei schweren oder anhaltenden PMS-Symptomen konsultieren Sie bitte einen Arzt oder eine Ärztin. Die Inhalte basieren auf wissenschaftlichen Publikationen, stellen jedoch keine medizinische Empfehlung dar.